(c)VZL-Lagerexperte Angelo Zanella erläuterte die Funktionen der neuen App FrudiStor.

VERSUCHSZENTRUM LAIMBURG PRÄSENTIERT NEUE APP FRUDISTOR: MITHILFE DER NEUEN APPLIKATION ZUR FRÜHERKENNUNG VON LAGERSCHÄDEN KÖNNEN OBST-GENOSSENSCHAFTEN LAGERAUSFÄLLE REDUZIEREN

Am 15.11.2018, wurde mit einer Pressekonferenz des Versuchszentrums Laimburg auf der internationalen Apfelmesse INTERPOMA an der Messe Bozen die neue Applikation FrudiStor offiziell vorgestellt und freigeschaltet. Die App ermöglicht es Schäden bereits während der Obstlagerung mit dem Smartphone zu identifizieren und ihnen entsprechend vorzubeugen.

Trotz Anwendung moderner Lagerungsverfahren treten während der Lagerung von Äpfeln immer wieder physiologische oder parasitäre Lagerschäden auf, die zu Ausfällen und wirtschaftlichen Einbußen führen können. Um derartige Ausfälle zu vermeiden, sind genaue Kenntnisse über Ursachen und zu treffende Maßnahmen beim Auftreten von Lagerschäden erforderlich. Um solche Schäden frühzeitig erkennen, identifizieren und dann vermeiden zu können, wurde die Web-Applikation „FrudiStor“ entwickelt. Sie ist das Ergebnis des dreijährigen Forschungsprojekts „Entwicklung eines Software-gestützten Bestimmungssystems zur Reduzierung von Lagerschäden im Obstbau“, das aus Mitteln des Interreg-V-Programms „Alpenrhein, Bodensee, Hochrhein“ finanziert wurde. Am Projekt beteiligt waren außer dem Versuchszentrum Laimburg das Kompetenzzentrum Obstbau Bodensee (Lead Partner), die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, die Obstbauversuchsanstalt Jork, die Forschungsanstalt Agroscope Wädenswil, die Marktgemeinschaft Bodenseeobst, die Württembergische Obstgenossenschaft und die Internetagentur Bodensee.

Mit einer Pressekonferenz am 15.11.2018 an der Messe Bozen im Rahmen der internationalen Apfelmesse Interpoma wurde die kostenlose Applikation freigeschaltet. Darüber hinaus konnten alle Interessierten die App am Messestand des Versuchszentrums Laimburg (B11/18, Sektor AB) selbst ausprobieren.

„Eine professionelle Obstlagerung ist sehr wichtig, sowohl für den Konsumenten als auch für die Produzenten und die Handelsketten“, betonte Agrarlandesrat Schuler. „Dazu sind spezielle Lagerungstechnologien gefragt, zu deren Entwicklung das Versuchszentrum Laimburg mit seiner Forschungs- und Versuchstätigkeit bereits seit Jahrzehnten entscheidend beiträgt. Die App FrudiStor schafft neue Möglichkeiten und ich gratuliere den Verantwortlichen herzlich zu diesem Ergebnis“, sagte Schuler.

(c) VZL Im Bild von li. nach re.: VOG-Obmann Georg Kössler, Laimburg-Direktor Michael Oberhuber, Agrarlandesrat Arnold Schuler

„Am Versuchszentrum Laimburg betreiben wir Forschung, um die Qualität unserer heimischen landwirtschaftlichen Produkte zu sichern. Für die Qualitätserhaltung aber auch für die Vermeidung von Abfällen ist die Lagerung unter den für das jeweilige Produkt idealen Bedingungen von zentraler Bedeutung“, erklärte der Direktor des Versuchszentrums Laimburg Michael Oberhuber. „Wir freuen uns dem Obstsektor mit FrudiStor nun ein praxistaugliches Tool zur Verfügung stellen zu können, das dabei helfen wird, Lagerschäden früh zu erkennen und ihnen vorzubeugen, um damit Lebensmittelverluste zu reduzieren und den Konsumenten eine bestmögliche Fruchtqualität anzubieten.“

Die Appikation FrudiStor

(c)KOB – Die App „Frudistor“ liefert Informationen zu mehr als 40 Lagerschäden.

„FrudiStor beinhaltet Informationen zu über 40 Lagerschäden am Apfel, wobei das Hauptaugenmerk auf den physiologischen Lagerschäden liegt“, erklärte Lagerungsexperte Angelo Zanella, der am Versuchszentrum Laimburg das Institut für Berglandwirtschaft und Lebensmitteltechnologie leitet. Mithilfe mehrerer Filterfunktionen (Schadenstyp, Schadensort, zeitliches Auftreten) kann der Nutzer den beobachteten Schaden suchen und bestimmen. Ist der Schaden in der App identifiziert worden, erhält der Nutzer eine detaillierte Beschreibung der Symptome, der möglichen Ursachen, des physiologischen Hintergrunds und der Vorbeugungsstrategien. Zusätzlich wird auf mögliche Verwechslungen mit anderen Schäden hingewiesen. Das zu jedem Schadbild in der App enthaltene hochwertige Fotomaterial hilft dabei, den Schaden korrekt identifizieren zu können. FrudiStor bietet ein einfaches und benutzerfreundliches User-Interface und ist betriebssystem-unabhängig. Die App ist somit sowohl auf stationären als auch mobilen Endgeräten nutzbar und die Informationen sind jederzeit abrufbar.

Schäden erkennen heißt auch Schäden vermeiden

Als Tool zur Identifizierung und Vermeidung von Lagerschäden wurde die Applikation FrudiStor vor allem für Lagerwarte in Obstgenossenschaften entwickelt. „Um unsere Kunden mit qualitativ hochwertigen Äpfeln versorgen zu können, sind wir auf eine gute Lagertechnik angewiesen,“ betonte der Obmann des Verbands der Südtiroler Obstgenossenschaften (VOG) Georg Kössler. „Aus diesem Grunde ist die Forschung des Versuchszentrums Laimburg in diesem Bereich grundlegend für die Südtiroler Obstgenossenschaften. Schäden erkennen heißt auch Schäden vermeiden – darum ist die neue Applikation FrudiStor ein weiteres wertvolles Puzzlestück, das uns dabei hilft die Qualität unseres Obsts sicherzustellen“.

Neues Forschungsprojekt zu parasitären Lagerschäden

(c)VZL – Sanja Baric, Freie Universität Bozen, Fakultät für Naturwissenschaft und Technik

Aufbauend auf den Erkenntnissen von FrudiStor hat die Freie Universität Bozen Ende 2017 das Forschungsprojekt „DSSApple – Entwicklung eines Entscheidungsunterstützungssystems für die Bestimmung von Lagerkrankheiten bei Äpfeln“ begonnen. Während sich FrudiStor hauptsächlich auf physiologische Lagerschäden konzentriert, beschäftigt sich dieses gemeinsame Projekt der Fakultät für Naturwissenschaft und Technik und der Fakultät für Informatik der Freien Universität Bozen unter Mitarbeit des Versuchszentrums Laimburg und der Università degli Studi di Milano – Bicocca mit den parasitären Lagerschäden, also Infektionskrankheiten des Apfels. Dazu haben die Forscher Äpfel mit Lagerfäulen in verschiedenen Genossenschaften Südtirols gesammelt, die Krankheitssymptome fotografisch dokumentiert, die Schaderreger isoliert und mit molekulargenetischen Methoden charakterisiert. „Mittlerweile konnten wir zahlreiche Pathogene identifizieren und mit 800 Fotos von Symptomen und Sporen dokumentieren“, berichteten die beiden Projektverantwortlichen Sanja Baric und Markus Zanker. Alle erhobenen Daten fließen in eine Wissensbasis ein, auf deren Grundlage ein Bildanalyseverfahren entwickelt werden soll, das es ermöglicht die Erreger anhand von Sporenabbildungen zu bestimmen. Auf diese Weise kann man dann feststellen, um welche Lagerkrankheit es sich handelt und welche Maßnahmen zu ergreifen sind.

Das Versuchszentrum Laimburg
Das Versuchszentrum Laimburg ist die Forschungsinstitution für die Landwirtschaft und Lebensmittelqualität in Südtirol. Das Versuchszentrum Laimburg betreibt vor allem angewandte Forschung mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Südtiroler Landwirtschaft zu steigern und die Qualität landwirtschaftlicher Produkte zu sichern. Über 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten jährlich an etwa 350 Forschungs- und Versuchsprojekten aus allen Bereichen der Südtiroler Landwirtschaft, vom Obst- und Weinbau bis hin zu Berglandwirtschaft und Lebensmitteltechnologie. Das Versuchszentrum Laimburg wurde 1975 gegründet.