Quelle: Bundesamt für Landwirtschaft BLW

Marktbericht Früchte und Gemüse | Oktober 2018

Bern, 1. November 2018: Die Süsskartoffel ist ein trendiges Nischenprodukt, das sich in den letzten Jahren stark entwickelt hat. Die Importe des ersten Halbjahres 2018 sind mit 2’173 t rund sechsmal höher als noch acht Jahre zuvor (329 t). Einen prägnanten Importrückgang gab es im zweiten Halbjahr 2017. Eine Analyse der Detailhandelsdaten deutet darauf hin, dass die Schweizer Süsskartoffelproduktion dafür verantwortlich ist. 

Zu Beginn des Beobachtungszeitraums (2010 bis 2018) waren Süsskartoffeln im Inland ein wenig bekanntes Gemüse. 2010 und 2011 kamen dementsprechend vergleichsweise kleine Mengen in die Schweiz (rund 700 t/Jahr). Diese stammten zumeist aus Europa und Asien. Mit dem Anbau in der Schweiz wurde zu diesem Zeitpunkt noch experimentiert.

Bedeutendste Herkunftsregion: USA

Seit 2012 hat sich dies geändert, und es wird vorrangig Ware aus Amerika (USA und Lateinamerika) importiert. Im Zeitraum 2012-2017 kamen pro Jahr zwischen 61 % und 67 % der Importe über den Atlantik in die Schweiz. Den grössten Anteil an den jährlichen Importen machten die USA aus, z.B. mit 1’803 t im Jahr 2017 (51 %). Die meisten dieser Importe kommen Branchenexperten zufolge aus North Carolina, dem Bundesstaat, in dem die meisten Süsskartoffeln der USA angebaut werden.

Die amerikanische Ware gelangt vor allem in der ersten Jahreshälfte auf den Schweizer Markt, wohingegen in der zweiten Jahreshälfte vermehrt Süsskartoffeln aus Europa und Afrika (insbesondere Nordafrika) importiert werden. Gründe für diese Saisonalität sind, dass es weniger Lagerkapazitäten in Europa und Afrika gibt als in Amerika, und dass die amerikanischen Produzenten bis Dezember vor allem den US-Markt bedienen. Dort sind Süsskartoffeln beliebt in traditionellen Gerichten zu Weihnachten und Thanksgiving.

2017: Schweizer Produktion startet durch

Auch wenn die Süsskartoffel in der Schweiz bisher ein Nischenprodukt ist, hat die Nachfrage danach stark zugenommen, wie der laufende Importanstieg auf zuletzt 3’519 t im Jahr 2017 zeigt. Mengenmässig positionierten sich Süsskartoffeln damit im Detailhandelssortiment von Wurzel- und Knollengemüse hinter Knollensellerie und vor Radieschen.

Mit dem Konsumanstieg der letzten Jahre zeigten auch Schweizer Produzenten zunehmend Interesse am Süsskartoffelanbau. So wurden 2017 grössere Mengen inländischer Süsskartoffeln vermarktet. Eine erste Flächenerhebung von der SZG ergab, dass im Jahr 2017 in der Schweiz auf ca. 23 Hektaren Süsskartoffeln angebaut wurde, am meisten in den Kantonen Zürich, Freiburg und Thurgau.

Zwar wird die Produktionsmenge von Süsskartoffeln in der Schweiz bisher nicht erfasst, jedoch lässt sich ein Effekt der Produktion auf den Schweizer Markt bereits erkennen. Denn während die Importmengen von der ersten zur zweiten Jahreshälfte im Betrachtungszeitraum immer leicht anstiegen (z.B. 2014: +12 %) oder gleich hoch blieben (z.B. 2016: +1 %), gab es 2017 in der zweiten Jahreshälfte erstmals einen markanten Importrückgang von -22 % gegenüber dem ersten Halbjahr. Dieser Effekt lässt sich mit der Ernte von Süsskartoffeln im Inland erklären, welche jeweils in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt gelangen. Ein Blick auf die Zahlen des Detailhandels zeigt, dass die Verkaufsmengen im Zeitraum des Importrückgangs stabil blieben und somit die Inlandware einen Teil der Importe ersetzt hat.

Konsumenten schätzen heimische Süsskartoffeln

Bemerkenswert ist die erhebliche Preisbewegung, die zwischen September 2017 und Januar 2018 stattfand: erstmals im Beobachtungszeitraum stieg der Detailhandelspreis auf mehr als 6 CHF/kg an und blieb für das ganze vierte Quartal auf diesem Niveau. Dieser erhebliche Preisanstieg dürfte auf die Inlandware zurückzuführen sein, die höhere Produktionskosten hat als ausländische Ware. Im Gegensatz zu vielen anderen Gemüsearten verfügen Süsskartoffeln über keinen Grenzschutz. Die Konsumenten waren somit bereit, für inländische Süsskartoffeln den höheren Preis zu zahlen. Die Detailhandelsumsätze von Süsskartoffeln stiegen folglich an, sodass sie mit einem Umsatz von 10.28 Mio. CHF in den letzten 12 Monaten den Knollensellerie überholt haben.

Saison 2018 wird spannend

Anfang 2018 ist der Detailhandelspreis im Vergleich zum teuren vierten Quartal 2017 stark abgesunken. Der Preisrückgang dürfte auf den wieder höheren Importanteil zurückzuführen sein, denn die Lagerung von Süsskartoffeln ist laut Branchenexperten bislang recht aufwendig. Der Preis blieb bis in den Sommer auf einem Niveau bei etwa 5 CHF/kg. Er war damit etwas höher als in im Vorjahr, wofür der höhere Bio-Anteil verantwortlich sein kann. Die Verkaufsmengen erreichten im Juli einen saisontypischen Tiefpunkt von 27.3 t pro Woche.

Die Septemberzahlen 2018 zeigen eine auffällige Entwicklung: der Wochenabsatz war mit 33.2 t um 1 % höher als im Vorjahresmonat, während der Verkaufspreis mit 5.80 CHF/kg um 23 % höher lag. Dieser Preisanstieg ist auf erste Schweizer Ware im Detailhandel zurückzuführen. Weil es 2018 keine starken Spätfröste gab und der heisse Sommer ideal für das Wachstum dieser Kultur war, waren Schweizer Süsskartoffeln 2-3 Wochen früher erntereif als im Vorjahr. Dies lässt eine interessante Süsskartoffel-Saison erwarten.

Quelle: Bundesamt für Landwirtschaft BLW

Markt aktuell

Warenkorb

Der Warenkorb mit Früchten und Gemüse kostet im September 69.64 CHF und ist damit der teuerste Monatswarenkorb der letzten drei Jahre.

Umsätze

Die Ernte an Frühäpfeln war deutlich grösser als im frostgeplagten Vorjahr. Die Frühapfelsorten Gravensteiner und Summerred haben deshalb im August mehr als doppelt so hohe Umsätze im Detailhandel generiert als im Vorjahresmonat.

Grosshandelspreise

Zwetschgen haben im August deutlich tiefere Grosshandelspreise als im Vorjahresmonat erzielt, was an der grösseren Ernte lag.


Anhang