In einem öffentlichen Brief an ein wichtiges deutsches Einzelhandelsunternehmen und in weiteren Stellungnahmen haben BananenproduzentInnen und PlantagenarbeiterInnen aus Kolumbien, Ecuador und Costa Rica zu einer einseitigen Preissenkung Stellung genommen. Dabei wird eine Preissenkung vehement abgelehnt, da diese zu einem erheblichen Verlust von Arbeitsplätzen führen könnte.

Deutschland ist in Europa eines der größten Abnehmerländer von Bananen. Dabei werden 75 % der in Deutschland verkauften Bananen aus den drei erwähnten Ländern importiert. Aktuelle Preiskämpfe in Deutschland, die das Ziel verfolgen, die tropische Frucht noch attraktiver für die KonsumentInnen zu machen, werden als problematisch gesehen von den UnterzeichnerInnen des Briefs. In dem offenen Brief wird darauf hingewiesen, dass eine weitere Reduzierung der Marktpreise für Bananen nicht hinnehmbar ist, da dadurch Arbeitsplätze zerstört werden und eine Einhaltung sowohl von sozialen, als auch von Umweltstandards unmöglich wäre.

„In den letzten 5 Jahren hat sich im Bananenhandel in Nordeuropa viel verändert. Konsumenten sind sich der Herkunft von Obst und anderen Produkten immer bewusster und haben Interesse in die Rückverfolgbarkeit und das Anbausystem und vor allem in die Nachhaltigkeit der Angebotskette. Die drei Säulen der Nachhaltigkeit sind Menschen, Planet und Gewinn. Dies bedeutet, dass die Erzeuger Maßnahmen ergreifen müssen, um die Umwelt zu schützen, die Lebensbedingungen der Arbeitnehmer zu verbessern und einen profitablen Handel zu betreiben, der wirtschaftlich sinnvoll ist, sonst gibt es für den Sektor keine Zukunft,“ unterstreichen BananenproduzentInnen und Exporteure in Ecuador. Die VertreterInnen des Bananensektors in Kolumbien betonen, dass sie sich nicht vorstellen können, dass ein Preisdumping im Interesse der EndverbraucherInnen sei: „Sie würden keine Handelspolitik unterstützen, die die unzähligen Bemühungen der Erzeuger in den Herkunftsländern aufheben würde, ihnen eine Frucht von hoher Qualität, die mit sozialer Gerechtigkeit und Verantwortung produziert wurde, in die Hand zu geben.“

Die zivilgesellschaftlichen Organisationen SÜDWIND, WWF, Oxfam, Global Nature Fund und Fairtrade Deutschland sowie die Unternehmen Fyffes und Kaufland sind in dem Aktionsbündnis für Nachhaltige Bananen (ABNB) in Dialog getreten, um die sozialen, ökologischen und ökonomischen Bedingungen in der Bananenwertschöpfungskette zu verbessern. Diese Zusammenarbeit von Nichtregierungsorganisationen und der Privatwirtschaft wird gefördert durch die Bundesregierung. Ein Ziel des ABNB ist es, in vertikalen Kooperationen mit den Partnern der Wertschöpfungskette, die Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie die Löhne in den Produktionsländern zu verbessern. Langfristig wird die Zahlung von mindestens existenzsichernden Löhnen angestrebt, basierend auf den Berechnungsmethoden vom World Banana Forum oder der ISEAL Global living wage coalition.

Das Preisdumping im Bananensektor in Deutschland und Europa wird von den Mitgliedern des ABNB mit größter Sorge beobachtet. Das ABNB betont die absolute Notwendigkeit, die Einkommen der KleinbäuerInnen und Löhne der ProduzentInnen und PlantagenarbeiterInnen zu verbessern, die sozialen Standards zu erhöhen und in Umweltschutz und Schutz der Biologischen Vielfalt zu investieren.

Der offene Brief der lateinamerikanischen Bananenproduzenten endet mit einem Appell an die Verantwortung in der gesamten Lieferkette: „Es besteht keine Notwendigkeit, die Preise zu senken, genauso wenig wie […][den] sozialen Frieden[s], den ein nachhaltiger und verantwortungsvoller Sektor haben muss, zu vernichten. Bananen sind das bei weitem günstigste Obst, das das ganze Jahr über zur Verfügung steht. Wir als Sektor weigern uns, in unseren anhaltenden Bemühungen einen Schritt zurückzutreten, nur weil das letzte Glied in der Handelskette den gesamten Handel nicht begreift. Nachhaltigkeit ist wichtig und man muss alle Glieder in der Angebotskette berücksichtigen.“

Das ABNB unterstützt diesen Appell, denn nachhaltige Produktion erfordert auch Deckung anfallender Kosten für Sozial- und Umweltstandards und das bedeutet, dass den BananenproduzentInnen genügend wirtschaftlicher Spielraum für eine nachhaltige Produktion ermöglicht werden muss.

Weitere Informationen zum ABNB unter: www.bananenbuendnis.org

Das deutsche Aktionsbündnis für nachhaltige Bananen (ABNB) ist ein Dialog- und Aktionsforum. Es bringt sowohl VertreterInnen aus Handel, Import und Politik, als auch aus Verbraucherschutz, Zivilgesellschaft und Gewerkschaften zusammen.

 

Hintergrund: Wie bereits im Oktober von Fruchtnews berichtet, wird die in Deutschland ansässige Discount-Einzelhandelskette Aldi von lateinamerikanischen Bananen produzierenden Ländern weiter verurteilt, weil sie beabsichtigt, die Preise 2019 um rund einen Dollar zu senken.

Industrieverbände aus Kolumbien, Costa Rica, Ecuador und Guatemala äußerten ihren Ärger und protestierten, da diese Senkung ernsthafte Probleme verursachen könnte. Anfang Oktober schrieb die ecuadorianische Bananenindustrie einen Brief, unterzeichnet von 31 Organisationen, in dem die Pläne des Einzelhändlers niedergeschlagen wurden. Auch die Verbände Corbana – Costa Rica, Augura – Kolumbien und APIB – Guatemala legten ihre Beschwerde vor, da eine weitere Senkung des Preises einer bereits billigen Frucht die Bananenindustrie wirtschaftlich und sozial schadet.