Ab sofort gibt es wieder knackiges, frisches Gemüse von den heimischen Feldern. Bild: jf-gabnor
Ob zu warm oder ob zu kalt, ob zu trocken oder ob zu nass: Die OÖ Gemüsebauern sind gerüstet und starten traditionell Mitte Mai mit einem bewundernswerten Angebot an frischen Vitaminen in die Freiland-Gemüsesaison. Ab sofort gibt es zarten Salat, feines Kohlgemüse, Frischgemüse und Kräuter von heimischen Feldern und auch die „Jungen Eferdinger“ Erdäpfel werden nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.
Schon der Pflanzmonat März, aber insbesondere der April 2019 fiel deutlich zu warm aus und lag in der Monatsbilanz um 1,5 Grad Celsius über der Klimavergleichsperiode 1981 bis 2010. Damit war der April in Österreich laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik einer der 25 wärmsten seit Messbeginn im Jahr 1767. „Gebietsweise brachte der April in Österreich um 50 bis 75 Prozent weniger Niederschlag als im Mittel, wodurch die Gemüsebauern bereits am Beginn der Saison intensiv bewässern mussten und manche Gemüsearten wie z.B. Spargel, Radieschen und Salate um ca. zehn Tage früher reif wurden“, erläutert Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Reisecker. Knapp 80 Prozent der Gemüseanbaufläche in OÖ ist mittlerweile so ausgerüstet, dass im Bedarfsfall bewässert werden kann. „Trotz schwieriger klimatischer Bedingungen für die OÖ Gemüsebauern wächst die Palette der in Oberösterreich produzierten und saisonal erhältlichen Gemüsearten weiter an. Die Stärke des heimischen Gemüse-Angebots liegt sowohl in der Vielfalt der Produktion als auch der Vermarktungswege. Die Konsumentinnen und Konsumenten schätzen den herrlichen Geschmack und das sortentypische Aroma des erntefrischen Gemüses aus Oberösterreich. Gemüse aus OÖ garantiert ein Maximum an wertvollen und gesunden Inhaltsstoffen“, betont Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger.

Trockenheit hat sich entspannt

Die akute Trockensituation in Oberösterreich hat sich nach den Niederschlägen Ende April und Anfang Mai doch recht deutlich entspannt. Auffallend ist, dass es regional sehr deutliche Niederschlags-Unterschiede gibt. In Wolfern/Bezirk Steyr gibt es – auch nach den ausgiebigen Niederschlägen der vergangenen Wochen – immer noch ein Niederschlagsdefizit seit Jahresbeginn von 36 Prozent. Das nördliche Mühlviertel zeigt aktuell kein Niederschlagsdefizit – in Rohrbach, Hellmonsödt (Urfahr-Umgebung) und Windhaag (Freistadt) gab es seit Jahresbeginn sogar überdurchschnittliche Niederschläge.

Gemüseanbaufläche ist in Oberösterreich auf hohem Niveau

Der erwerbsmäßige landwirtschaftliche und gärtnerische Gemüseanbau wurde in Oberösterreich im Jahr 2018 von 166 Betrieben auf einer Gesamtanbaufläche von etwa 1.555 Hektar betrieben. „Gegenüber 2017 nahm die Anbaufläche aufgrund der Trockenheit 2018 um 200 Hektar ab. Diese Flächen konnten nicht beerntet werden. Trotz des enormen internationalen Druckes gelingt es aber, die Gemüseanbauflächen auf hohem Niveau zu halten. Die Anzahl der Gemüseanbaubetriebe ist leicht rückläufig. Gleichzeitig machen Anfragen von Neueinsteigern auch einen Aufwärtstrend spürbar“, erläutert Reisecker.

Vielfalt ist die Stärke des heimischen Gemüse-Anbaus

Die Stärken der OÖ Gemüsebauern sind die Artenvielfalt im Anbau, die regionale Vermarktung und die saisonale Verarbeitung. Viele oberösterreichische Gemüsebauern verkaufen ihre Spezialitäten direkt ab Hof bzw. viele auch auf Bauernmärkten. Die Gemüseanbaufläche mit durchschnittlich zehn Hektar je Betrieb ist im Vergleich zu den Hauptgemüseländern in Europa (Holland, Spanien, Italien, etc.) sehr niedrig und ein Zeichen dafür, dass sehr viele dieser Betriebe den Gemüseanbau im optimalen Fruchtwechsel zu anderen Ackerbaukulturen ausüben.

OÖ Gemüsebauern bieten und sichern Arbeitsplätze

Die 166 OÖ Gemüsebaubetriebe sichern durch ihre Bewirtschaftung und Investitionstätigkeit ca. 500 familieneigene Arbeitsplätze in der Region und beschäftigen rund 800 Arbeitnehmer ganzjährig. „Sie sichern in den nachgelagerten Bereichen der heimischen Wirtschaft sowie im Dienstleistungssektor weitere rund 1.500, vorwiegend oberösterreichische Arbeitsplätze. Weltweit ist der handarbeitsintensive Gemüseanbau auf ausländische Saisonarbeiter und Erntehelfer angewiesen. In OÖ stammen diese hauptsächlich aus den Ländern Polen, Rumänien, aus dem Kosovo und der Ukraine. Der kollektivvertragliche Lohn für diese vollversicherten Landarbeiter in Österreich ist einer der höchsten in Europa und liegt derzeit bei 1.315 Euro brutto monatlich“, so Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger.

Jobbörsen zur Anwerbung von Erntehelfern

Seit bereits acht Jahren führt die Landwirtschaftskammer OÖ in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsmarktservice OÖ jährlich mehrere Jobbörsen zur Anwerbung von Erntehelfern und Saisonarbeitern durch. 2018 ist bereits das vierte Jahr, in dem versucht wurde, unter anderem auch anerkannte Asylwerber sowie Asylberechtigte, welche sich in OÖ aufhalten, zu vermitteln.

Aufstockung des Saisonnier-Kontingents

Aufgrund einer zweiten Verordnung des Sozialministeriums für das Jahr 2019 darf Oberösterreich heuer 97 Saisonniers mehr auf bäuerlichen Betrieben beschäftigen als im Vorjahr. Durch diese nachträgliche Aufstockung hat sich die Situation entspannt und es gibt nun ausreichend Saisonarbeitskräfte. „Die Landwirtschaftskammer hat seit dem Vorjahr diesbezüglich Verhandlungen geführt und ist nun froh über diese rechtzeitige politische Lösung für das Jahr 2019. Wir haben nun für heuer ein ausreichendes Kontingent zur Verfügung“, so Präsident Reisecker.

Projekt: Ausbildung für Asylberechtigte in Zusammenarbeit mit dem AMS OÖ

Um dem Mangel an geeigneten Arbeitskräften weiter entgegenzusteuern, finanzierte das AMS Oberösterreich eine dreimonatige Basisqualifizierung für Asylberechtigte. Das Projekt wurde in Kooperation mit dem Gemüsebaureferat der Landwirtschaftskammer OÖ durchgeführt. Die Teilnehmer wurden in Theorie und Praxis geschult und absolvierten Schnuppertage auf bäuerlichen Betrieben. „Aus über 100 Bewerbungen wurden 20 Personen aus zehn verschiedenen Nationen für den Kurs ausgewählt. Die unterschiedlichen Voraussetzungen und Sprachkenntnisse waren für die Ausbildner sehr herausfordernd. Die kurzfristige Erfolgsquote mit nachfolgenden Anstellungen von unter 30 Prozent war eher ernüchternd. Die Obst- und Gemüsebauern welche sich für die Schnuppertage zur Verfügung gestellt haben, zeigten sehr wohl Interesse an einer Anstellung, wurden dann aber vielfach enttäuscht, weil die »guten« Kursteilnehmer in andere Wirtschaftsbereiche abgewandert sind. Dort erwarten sie sich langfristigere Beschäftigungsmöglichkeiten und eine höhere Bezahlung. Eine Kurswiederholung im Jahr 2020 ist daher noch offen“, so Ewald Mayr, Obmann des Verbandes der Obst- und Gemüseproduzenten OÖ.

Neue Gemüsekulturen – OÖ Gemüsebauern reagieren auf Konsumentenwünsche

Die Palette der in Oberösterreich produzierten und saisonal erhältlichen Gemüsearten wächst jährlich. Manche Gemüsebauern machen beispielsweise Versuche mit dem Anbau von Erdnüssen. Andere trendige Neuheiten sind zur jeweiligen Saison am Markt erhältlich: Jung- oder Bundzwiebel, lila Radieschen, Mangold, Fisolen (Buschbohnen), Stangensellerie, Mini-Rote Rüben, Wassermelonen, Kren, Pak Choi, roter Chinakohl, Süßkartoffeln oder auch Pilze wie Shiitake oder Kräuterseitlinge. Der geschützte Gemüseanbau in Folientunnels und Glashäusern hat in OÖ mit einer Gesamtfläche von etwa zwölf Hektar im Vergleich zu anderen Bundesländern eine eher untergeordnete Bedeutung. Hier werden – hauptsächlich von Direktvermarktern – Tomatenraritäten, Gurken, diverse Paprika-Sorten, Pfefferonis, verschiedene Melanzani und eine große Vielfalt an würzigen bis scharfen Chilis geerntet. Einige Betriebe produzieren in den Folienhäusern auch Jungpflanzen für den eigenen Freilandanbau bzw. für den Ab Hof-Verkauf.
Grafik-Pressemeldung: © LK OÖ

Hauptgemüsearten

Die Anbauschwerpunkte in OÖ liegen allerdings bis dato weiterhin deutlich bei den Kohlgemüsen, den Salaten, den Gurkengewächsen und den Wurzelgemüsearten. „Innerhalb von Österreich sind die OÖ Gemüseproduzenten beim Anbau von zB Frisch- und Sauerkraut, Broccoli, Bierrettich, Kopf- und Eissalat, Feld-, Senf- und Einlegegurken, Roten Rüben, Sellerie, Spargel, Speisekürbis, Zucchini, Porree und Zuckermais marktführend bzw. marktbedeutend“, erläutert Mayr. Nicht zu vergessen ist im Herbst die nach wie vor zunehmende Beliebtheit der Speise- und Zierkürbisse sowie der Ölkürbisse.

Hoher Anteil an Bio-Gemüse

Die OÖ Gemüseproduzenten produzieren zu 100 Prozent nach den strengen AMA G.A.P.-Richtlinien bzw. den AMA-Bio Richtlinien. Der Anteil des Biogemüseanbaues beträgt laut Bio Austria bereits 27 Prozent der Anbaufläche, das sind ca. 470 Hektar – Tendenz steigend. „Regelmäßige Aufzeichnungen, Schulungen und Betriebsevaluierungen gehen einher mit mehreren Betriebskontrollen jährlich hinsichtlich Düngung, Pflanzenschutz, Bewässerung, Hygiene, Fremdarbeitskräftebeschäftigung und Warenfluss am Markt“, erläutert Obmann Mayr.

Regionalität – Saisonalität – Marketing – Genuss Region Eferdinger Landl Gemüse

Der Verband der Gemüsebauern OÖ ist in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer OÖ sowie mit den Partnern in der Verarbeitung, im Handel und der Vermarktung ständig bemüht, den Konsumenten die Vorteile der heimischen Gemüseproduktion in Verbindung mit saisonalem Einkauf und Konsum aufzuzeigen. Optimale Frische und Qualität zu einem fairen Preis können nur mit kurzen Wegen, vom Feld bis zur Verarbeitung oder Vermarktung erreicht werden. Verstärkt werden diese Ziele durch vielseitige Öffentlichkeitsarbeit und verschiedenste Werbemaßnahmen wie mit der Website www.gemueselust.at und dem Facebook-Auftritt www.facebook.com/gemueselust.

Angebot und Nachfrage – Konsument und Produzent im Schulterschluss

„Zu Saisonbeginn sind die ersten Erntemengen traditionell gering. Deshalb findet man im Supermarkt oft noch Frischgemüse aus südlicheren Ländern, welches das heimische Angebot in der Startphase häufig bremst bzw. zurückhält. Der „aktive“ Konsument und die „aktive“ Konsumentin können durch Nachfragen eine schnellere Umstellung in den Regalen auf frische, heimische Ware unterstützen. Wir freuen uns auch über die Meinungen unserer Kunden und tauschen uns über das soziale Netzwerk Facebook gerne aus“, so Gabriele Wild-Obermayr, Bio-Gemüsebäuerin in Niederneukirchen, Bezirk Linz-Land.

Expertin für Gemüse-Raritäten: Gabriele Wild-Obermayr

Gabriele Wild-Obermayr ist eine Pionierin des oberösterreichischen Gemüse-Anbaus. Sie beschäftigte sich bereits auf ihrem Herkunftsbetrieb in Eferding mit dem Anbau von Gemüse-Raritäten. Nach ihrer Hochzeit baute sie gemeinsam mit ihrem Mann Klaus die Gemüse-Produktion auf ihrem gemeinsamen Hof, dem Fraunbergergut in Niederneukirchen, auf, seit 2012 in biologischer Wirtschaftsweise. Auf sechs Hektar gibt es nun am Bio-Gemüsehof Wild-Obermayr diverse Salate, violette Erdäpfel oder auch Karfiol, Artischocken und vieles mehr im Freilandanbau und auf 800 Quadratmetern im Folientunnel werden vor allem Fruchtgemüse und Spezialitäten produziert. „Gemüse ist meine Leidenschaft. Es macht mir große Freude, den Anbau neuer Sorten auszuprobieren und zu schauen, ob neue Arten bei uns gedeihen. So ist es mir zB gelungen, Süßkartoffel oder Artischocken bei uns zu kultivieren. Genauso wichtig ist es mir aber, mit meinen Kunden ins Gespräch zu kommen und ihnen zu erklären, wann sie welches Gemüse am besten kaufen sollen und wie sie dieses am besten zubereiten“, so Gabriele Wild-Obermayr. Sie verkauft ihr Gemüse im eigenen Bauernladen, beliefert andere Hofläden und Selbstversorgergruppen und darüber hinaus ausgewählte Gastronomiebetriebe, welche Gemüse-Spezialitäten wertschätzen. In Kursen oder bei Exkursionen gibt Wild-Obermayr ihr umfassendes Wissen im Bio-Gemüseanbau gerne an andere weiter.

Start für den Gemüse-Frühling: Ab jetzt ist die volle Gemüsevielfalt erhältlich

Die vielseitige Auswahl aus dem Frühjahrsangebot bringt rege Abwechslung in den Speiseplan und lässt den Gemüsegenießer bereits aus dem Vollen schöpfen. Ab sofort sind erhältlich:

  • Zarte Blattgemüse: Kopfsalat, Lollo Rosso, Lollo Bionda, Bologneser und verschiedene Pflücksalate sowie Rucola und junger Mangold und Spinat.
  • Feine Kohlgemüse wie der Kohlrabi, das Frühkraut und der Frühkohl ergänzen das gesunde Angebot. Auch Karfiol und Brokkoli sind ab sofort erhältlich.
  • Frisches Wurzelgemüse wie Radieschen, Mairübchen und der OÖ Bierrettich sollten bei keiner Jause fehlen.
  • Fruchtgemüse: Erste Zucchini werden in diesen Tagen geerntet und Feldgurken kommen Ende Mai hinzu. Feingemüse wie der weiße und grüne Spargel, die Jungzwiebel, der aromatische junge Knoblauch und Rhabarber
  • Heil- und Gewürzkräuter wie Schnittlauch, Petersilie, Dill, Minze, Melisse, Borretsch, Salbei, Oregano, Thymian, Basilikum, Rosmarin, Liebstöckel und Estragon runden das vitaminreiche Angebot ab.
  • Dazu passen die „Jungen Eferdinger“ Die Ernte der Früherdäpfel oder feinen „Heurigen“ wird mit Folien und Vliesen verfrüht und beginnt auf Feldern mit sandreichen Böden in ca. 14 Tagen. Achten Sie im Handel auf die echten oberösterreichischen Heurigen.
Beim Gemüsesaisonauftakt am Bio-Gemüsehof Wild-Obermayr in Niederneukirchen (v.l.): Ewald Mayr, Obmann des Verbandes der Obst- und Gemüseproduzenten OÖ, Agrar-Landesrat Max Hiegelsberger, Gabriele Wild-Obermayr, Landwirtschaftskammer-Präsident ÖR Ing. Franz Reisecker, Kammerrat und Gemüsebauer Alfred Holzer. bILD:© LK OÖ