Quelle: Pixabay

Auch für den Onlinehandel gilt: Die Herkunft von Obst und Gemüse muss eindeutig gekennzeichnet sein. Warum ist das so schwer? Welche Lösungsideen gibt es für einen Vertriebsweg, der in Deutschland bislang wenig genutzt wird?

Sei es das „Click and Collect“-Modell der Supermärkte oder die Obst- und Gemüsekiste für daheim: Der Online-Kauf von Lebensmitteln bleibt die Ausnahme. Laut der europäischen Dachorganisation des Obst- und Gemüsesektors (FRESHFEL) sind die Gründe für die Zurückhaltung der Deutschen beim Online-Kauf von Lebensmitteln die Dichte der vorhandenen Einzelhandelsgeschäfte sowie die hohen Kosten für eine zeitnahe Lieferung.
Die Anbieter kämpfen außerdem mit Kennzeichnungsvorschriften, die ursprünglich nicht für den Online-Versandhandel gemacht wurden. Eine Arbeitsgruppe der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) will nun Vorschläge zur Verbesserung der Händler-Information machen und einen Leitfaden für Kontrollstellen erarbeiten. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) ist Mitglied in dem Gremium, das auch über mögliche Änderungen der Kennzeichnungsvorschriften nachdenkt.

Worin besteht das Problem für die Online-Händler?

Laut Gesetz sind Online-Kunden den Personen, die im Geschäft einkaufen gehen, gleichgestellt. Der Handel ist in der Pflicht, richtige und zuverlässige Herkunftsangaben im Online-Angebot zu machen. Wenn Lebensmittel als Online-Angebots veröffentlicht werden, ist jedoch oft nicht bekannt, ob die Ware aus dem angekündigten Ursprungsland zum Zeitpunkt der Verpackung noch im Lager verfügbar ist. Darf der Online-Händler dann ersatzweise Lagerware aus einem anderen Ursprungsland liefern? Noch schwerer wird es, wenn er sich verschiedener regionaler Auslieferungslager oder -firmen bedient. Das birgt Herausforderungen für Handel und Kontrollbehörden. So steht auch die grundsätzliche Frage im Raum, wer Obst und Gemüse online verkaufen darf; denn häufig bleibt die Identität hinter den Online-Geschäften aufgrund neuer Geschäftsmodelle unklar.

Die Lösung: Ein länderübergreifendes Modell für die Zukunft

Der Online-Handel von Obst und Gemüse sei derzeit von einem Set an Vorschriften für Lebensmittel gesteuert, das in der Frühphase des elektronischen Handels entwickelt wurde, erklärte Nelli Hajdu von FRESHFEL Europe vergangenes Jahr auf der 32. Internationalen BLE-Arbeitstagung Qualitätskontrolle Obst und Gemüse in Bonn. Das Thema stieß bei der OECD-Fachgruppe zur Anwendung internationaler Normen bei Obst und Gemüse auf großes Interesse. Die Arbeitsgruppe untersucht inzwischen das Spannungsfeld zwischen bestehenden Kennzeichnungsvorschriften zur umfassenden Verbraucheraufklärung einerseits und neuen Vertriebsformen andererseits.

Zunächst wurden die in den einzelnen Mitgliedsländern aktiven Online-Geschäftsmodelle und deren Bedeutung für frisches Obst und Gemüse erfasst. Dabei wurde klar, dass der Lösungsansatz für verschiedene Geschäftsmodelle passen muss. Während in Frankreich „Click and Collect“ dominiert, sind es in anderen Ländern die Gemüsekisten oder der Online-Versand großer Anbieter mit Regionallagern.

Derzeit wird kontrolliert, ob die Online-Angebote gesetzliche Informationsvorschriften und Qualitätsanforderungen im Auslieferungslager einhalten. In einer nächsten Phase wird geprüft, ob die Ware bei der Ankunft bei den Online-Kunden den Vorschriften entspricht. Anschließend wird die OECD-Fachgruppe länderübergreifende Vorschläge zur Verbesserung der Händler-Information, einen Leitfaden für Kontrollstellen und möglicherweise Vorschläge zur Änderung der Informationsvorschriften erarbeiten. Damit wären die Länder im Sinne eines umfassenden Verbraucherschutzes vorbereitet auf das, was in Sachen Online-Handel noch kommen kann.