Foto: Markus Distelrath (pb)

(Österreich 20.03.2020) – Neben Produkten des täglichen Bedarfs gehört naturgemäß auch die Versorgung von Obst, Gemüse und Erdäpfeln zu den Grundbedürfnissen eines jeden Haushalts. Durch weitgehende Technologisierung und Modernisierung der Betriebe sind heimische Anbieter in der Lage Ernteperioden zu verfrühen und in weiterer Folge zu verlängern. Aufgrund seiner topographischen Lage und begrenzten Produktionsfläche ist Österreich dennoch gezwungen einen Großteil des heimischen Bedarfs an Obst und Gemüse zu importieren. Der Verbrauch an Tafeläpfeln kann in der Regel autark gedeckt werden. Auch heuer sind die Läger nach wie vor gut gefüllt. Mit Stichtag 01. Februar wies der Bestand an Tafeläpfeln österreichischer Herkunft (bio. & konv.) noch 86.495 t auf. Siehe auch AMA-Marktbericht 02/20. Andere Obsterzeugnisse wie Erdbeeren, Marillen, Kirschen, Zwetschken, Kleinbeeren etc. sind aus heimischer Erzeugung nur saisonal verfügbar. Außerhalb der Saison werden diese Waren, wie auch Südfrüchte und Exoten (Bananen, Ananas, Zitrusfrüchte, Melonen etc.), von Nah und Fern importiert. Mit einem Selbstversorgungsgrad von ca. 40 % bei Frischobst ist Österreich daher Bruttoimporteur.

Bei Frischgemüse ist die Situation, mit rund 50 % Selbstversorgungsgrad, ähnlich. Freilich auch hier die saisonale Winterpause, in welcher besonders viele Produkte aus Übersee, Nordafrika, Spanien, und Italien eingeführt werden müssen. Es herrscht demnach eine saisonale Abhängigkeit von internationalen Märkten in diesem Sektor. Aus aktuellem Anlass eine Einschätzung der Lage.

COVID-19 bedingte Schutzmaßnahmen und Beschränkungen an den Außengrenzen, bringen das engmaschige Handelsgeflecht und die gut geölten Lieferketten ins Stocken. Die Kapazitäten der Betriebe in den Erzeugerländern (vorw. IT, SP) werden durch den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand und andere Maßnahmen, sowohl bei der Ernte, als auch in den Packhäusern, zunehmend limitiert. Wo früher vier bis fünf Mitarbeiter ernteten oder packten, werken heute Zwei. Dies und andere Erschwernisse schlagen sich naturgemäß auf die Warenproduktion und entsprechende Verfügbarkeiten nieder. Ja, der Warenfluss ist gestört und die Abwicklung läuft verlangsamt, aber es wird nach wie vor mit Hochdruck produziert, verladen und nach Österreich exportiert. Lebensmitteltransporte kommen durch. Internationale Frächter und Speditionen haben, trotz massiver Auftragslage, große Probleme kostendeckend zu fahren. Die sonst üblichen und wichtigen Rückfrachten von Österreich nach Spanien, Italien oder in andere Länder fehlen. Teilweise hohe Transportaufschläge sind die Folge, welche Produktverteuerungen nach sich ziehen könnten. Schiffsware wie Bananen, Ananas und Co. kommt nach wie vor planmäßig an und wird gelöscht. Bei Flugware könnte es, durch den Shutdown der Flughäfen, eng werden. Dies betrifft allerdings in erster Linie hochpreisige Nischenprodukte wie Flugmangos und andere Obst- oder Gemüseexoten. In niedergelassenen Filialen der Handelsketten wird dieser Tage ersichtlich, dass das Angebot mit der zuletzt überbordenden Nachfrage im Frischesegment nicht immer Schritthalten kann. Umso offensichtlicher wird, welchen bedeutenden Wert die nationale bzw. regionale Produktion und Versorgung darstellt.

Durch ansprechende Ernten 2019 und gut ausgestatteten Strukturen ist die Versorgung sowohl bei heimischen Lagerobst, wie Tafeläpfeln, als auch bei Lager- und Wintergemüsen (Karotten, Zwiebeln, Kraut, Kohl etc.), trotz letztens massiver Zugriffe, gesichert. Durch das Wegfallen von Gastronomie und Großküchen als Abnehmer verbleiben entsprechende Mengen, auch und im Besonderen von Speisekartoffeln, dem Handel und stehen Haushalten zusätzlich zur Verfügung. Also auch bei Erdäpfeln sollte die Selbstversorgung bis zur neuen Ernte Ende Mai/Anfang Juni garantiert sein. Am Gemüsesektor hat die heimische Saison bereits begonnen. Gurken, Paprika, Tomaten, Melanzani, Kopfsalat und in wenigen Wochen Jungzwiebel und Frühkarotten und nicht zuletzt frischer Spargel werden, wüchsiges Wetter vorausgesetzt, das Angebot bereichern und die Versorgung mit Frischeprodukten zusätzlich sichern. Allerdings nur, wenn genug mithelfen. Die Verfügbarkeit von Arbeitskräften ist in der Obst- und Gemüseproduktion im hohen Maße der limitierende Faktor. Heuer mehr denn je. Jede Hand wird gebraucht. Also, Österreich, packen wir‘s an!

Die Online-Plattform Arbeitskräftevermittlung finden sie hier.