„Naturschutzfördernde Maßnahmen im Spargel- und Erdbeeranbau“

    Startschuss für gemeinsames Pilotprojekt mit Erdbeerland Enderle und Huber-Hof

    Im Bild (v.l.i.): Die Herren, Goedecke, Huber, Enderle und Schuhmacher. Quelle: NABU/VSSE

    Iffezheim, April 2019. Intensiver Spargel- und Erdbeeranbau und Naturschutz schließen einander nicht aus, wie das gemeinsame Pilotprojekt des Naturschutzbunds Deutschland (NABU) – Landesverband Baden-Württemberg e.V. und des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer e.V. (VSSE) zeigt. Zusammen mit drei Spargel- und bzw. Erdbeeranbauern haben die Beteiligten einen Maßnahmen-Katalog zu naturschutzfördernden Maßnahmen entwickelt. Diese werden von drei Anbaubetrieben, unter ihnen Erdbeerland Enderle aus Durmersheim und Huber-Hof aus Iffezheim, 2019 erstmals in einer Auswahl umgesetzt.

    „Es ist wichtig, dass Anbauer, Bürger und Naturschützer in einen gemeinsamen Dialog treten, um sich gegenseitig über Rahmenbedingungen des Naturschutzes, Anliegen der Anwohner und Erfordernisse der Produktionsweise auszutauschen. Der Anbau unter Folie wird im Spargel- wie im Erdbeeranbau immer wieder von Naturschützern und Naturschützerinnen sowie Bürgern und Bürgerinnen kritisiert. Um jedoch qualitativ hochwertige Spargel und Erdbeeren effizient und konkurrenzfähig zu produzieren, ist der Folieneinsatz notwendig. Die Erzeuger nehmen die Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen von Dauerkulturen auf die Biodiversität ernst und schaffen mit den naturschutzfördernden Maßnahmen wie Blühstreifen und Nistkästen Lebens- und Rückzugsräume“, erklärt Simon Schumacher, Vorstandssprecher des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer e.V. (VSSE).

    Der Vorschlagkatalog an Maßnahmen umfasst unter anderem Nistkästen für unterschiedliche Vogelarten und Fledermäuse, Sitzstangen für Greifvögel, Stein- oder Totholzhaufen als Rückzugsort für Reptilien sowie Blüh- und Grünstreifen für Wildbienen und andere Insekten.

    „Immer mehr Landwirtinnen und Landwirte sind sich ihrer Verantwortung für die Artenvielfalt bewusst und werden aktiv. Auf den Höfen der Familien Huber und Enderle bewirken die Blühstreifen eine wichtige Vernetzung von Lebensräumen. Insekten, Vögel und Niederwild finden darin Nahrung und Deckung. Besonders schön ist es, wenn sich für die Naturschutzmaßnahmen Landwirtinnen, Landwirte und Naturschutz-Aktive zusammenfinden. So können Ideen für eine nachhaltige Kooperation entstehen“, betont Jochen Goedecke, Landwirtschaftsreferent des NABU Baden-Württemberg.

    Totholzhaufen – Quelle: NABU/VSSE

    Aus dem Vorschlagkatalog hat der Huber-Hof vier Maßnahmen für den Spargel- und/oder Erdbeeranbau ausgewählt: Blühstreifen, Nistkästen für Vögel, Sitzstangen für Greifvögel und Totholzhaufen. Beratend standen ihm der NABU Baden-Württemberg und die NABU-Gruppe Rastatt beiseite. Die vier Nisthöhlen für den Steinkauz wurden von der „Initiativgruppe Naturschutz Iffezheim“ (INI) für den Betrieb angefertigt.

    „Die Landwirtschaft ist wie keine andere Branche auf die Natur angewiesen. Es liegt im ureigensten Sinne von uns Landwirten dafür zu sorgen, dass wir den Insekten Blühwiesen und den Vögeln Nistplätze anbieten. Wir arbeiten schon seit Jahren mit der örtlichen Naturschutzgruppe INI zusammen. Das gemeinsame Pilotprojekt mit NABU und VSSE hat unsere Aktivitäten noch verstärkt“, erklärt Joachim Huber, Betriebsleiter des Huber-Hofs in Iffezheim.

    Erdbeerland Enderle hat vier Maßnahmen aus dem Vorschlagkatalog für den Erdbeeranbau ausgewählt: den Einsatz von Nützlingen gegen Schädlinge, Blühstreifen nahe der Erdbeeranbauflächen und Grünflächen zwischen den Erdbeertunneln sowie Nistkästen.
    „Als wir die Informationen zum Pilotprojekt vom VSSE bekamen, war klar, dass wir mitmachen. Da die vollständige Fruchtbildung bei der Erdbeere sehr wichtig ist, setzten wir schon seit Jahren auf Blühstreifen, um Insekten anzuziehen. Wir haben auf 7 – 10 ha Blühflächen und Blühstreifen. Die Zusammenarbeit mit dem NABU war beeindruckend. Wir haben weitere Hinweise bekommen, was wir verbessern können, und beide Parteien dabei festgestellt, dass wir gar nicht so weit auseinander liegen, wenn es um Naturschutz geht“, resümiert Rolf Enderle, Betriebsleiter von Erdbeerland Enderle aus Durmersheim.

    Mit den Maßnahmen wird das Ziel verfolgt, Lebens- und Rückzugsraum für Insekten, Vögel und Reptilien auf und am Acker zu schaffen. Auch sollen sie der Bodenerosion entgegenwirken und die Biodiversität fördern, um damit auch Insekten und Kräuter, die positive Effekte auf die Spargel- und Beerenkulturen haben, zu unterstützen.