Marokko: Weitere Förderung des Exzellenzzentrums CECAMA

Klöckner: „Landwirtschaftliche Modernisierung und Professionalisierung sind entscheidende Schlüssel für gute gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Marokko“

Weitere Förderung des Exzellenzzentrums CECAMA – Ministerin und marokkanischer Amtskollege Aziz Akhannouch unterzeichnen Absichtserklärung

Im Rahmen ihrer Reise nach Marokko ist Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner mit ihrem marokkanischen Amtskollegen, Aziz Akhannouch, zusammengetroffen. In Marrakesch unterzeichneten die Minister eine gemeinsame Absichtserklärung zur Fortführung des deutsch-marokkanischen Exzellenzzentrums für Landwirtschaft, CECAMA, in einer dritten Projektphase.

Dazu Julia Klöckner: „Das Aus- und Weiterbildungsprojekt CECAMA ist das Herzstück unserer Zusammenarbeit mit Marokko im Bereich der Landwirtschaft. Eine Evaluierung Anfang des Jahres bescheinigt dem Zentrum eine positive Entwicklung. Die erfolgreiche Arbeit, die Schulungen zu Themen der nachhaltigen Landwirtschaft wollen wir deshalb fortsetzen und mit 1,2 Millionen Euro in den kommenden beiden Jahren fördern. Ziel ist die Überführung des Zentrums in die Eigenständigkeit. Das ist zentral, denn das Wirtschaftswachstum im Land ist in hohem Maße abhängig vom landwirtschaftlichen Sektor. Er ist tragende Säule, wesentlicher Schlüssel zur Bekämpfung der hohen Arbeitslosigkeit und damit Perspektivengeber gerade für die vielen jungen Menschen im Land: 40 Prozent der Bevölkerung sind bereits in der Landwirtschaft tätig, ihr Anteil am BIP beträgt derzeit knapp 15 Prozent und soll bis 2020 verdoppelt werden. Zum Vergleich: In Deutschland sind es aktuell 0,6 Prozent. Das kann angesichts der Fragmentierung und 1,5 Millionen kleiner und mittlerer landwirtschaftlicher Betriebe im Land nur durch Professionalisierung und den Aufbau einer modernen Verarbeitungsindustrie gelingen, die für nachhaltige Ertragssteigerungen sorgen. Dabei helfen wir – mit CECAMA sowie anderen bilateralen Vereinbarungen und Initiativen. Seit 2009 ist zudem ein Landwirtschaftsreferent an der deutschen Botschaft in Rabat stationiert. Das unterstreicht die Bedeutung, die wir diesem Sektor hinsichtlich einer guten gesamtwirtschaftlichen Entwicklung des Landes beimessen.“

Akhannouch und Klöckner vereinbarten bei ihrem Gespräch, ab 2019 im Rahmen eines „Deutsch-Marokkanischen Fachdialogs Agrar“ den Austausch zu agrarfachlichen Themen zu intensivieren. Die Förderung von landwirtschaftlichen Genossenschaften, insbesondere von Frauenkooperativen, und des Ökolandbaus sollen dabei im Vordergrund stehen. Auch bei der Sicherstellung und Verbesserung der nachhaltigen Bewirtschaftung der Zedernwälder, bei gleichzeitiger Förderung der Einkommen der lokalen Bevölkerung, sollen Möglichkeiten weiterer Kooperationen eruiert werden. In der Vergangenheit konnte bereits ein Rückverfolgbarkeitssystem für Rundholz zur Bekämpfung illegalen Holzeinschlags erfolgreich eingeführt und getestet werden.

„Was wir als Ministerium machen, ist effektive Hilfe zur Selbsthilfe. Wissenstransfer, die Weitergabe von Erfahrungen und Expertise, schafft Bleibeperspektiven. Eine ertragreiche Landwirtschaft ist konkrete Fluchtursachenbekämpfung. Vor dem Hintergrund, dass Marokko nicht nur Ursprungs- und Transit, sondern auch Zielland für Migrationsbewegungen ist, hat das besondere Bedeutung“, so die Bundesministerin.

Hintergrund – Landwirtschaft in Marokko
Die Herausforderungen für die marokkanische Landwirtschaft liegen einerseits in den geografischen Gegebenheiten und den Witterungsbedingungen, andererseits im hohen Fragmentierungsgrad der Landwirtschaft, der unzureichenden Mechanisierung bzw. dem ungenügenden Einsatz moderner landwirtschaftlicher Produktionsmittel. Circa 20 Prozent (30,6 Mio. Hektar – zum Vergleich Deutschland: 16,7 Mio. Hektar.) der Landesfläche wird agrarisch genutzt. Die Ertragssituation ist aufgrund der Kleinteiligkeit der landwirtschaftlichen Betriebe (ca. 1,5 Mio. – zum Vergleich Deutschland: ca. 275.400), traditioneller Anbaumethoden und schwieriger geologischer Bedingungen stark schwankend.

Hintergrund – Schwerpunkte der bilateralen Zusammenarbeit
Deutschland und Marokko verbindet eine enge wirtschaftliche Vernetzung, gerade im Agrarbereich. So war Marokko im Jahr 2016 erstes außereuropäisches Partnerland der Internationalen Grünen Woche und ist auf der BIOFACH vertreten. Seinerseits beteiligt sich das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft seit 2009 am „Salon International de l`Agriculture au Maroc“. Seit 2010 besteht ein Agrarfreihandelsabkommen zwischen der EU und Marokko, zudem gibt es zahlreiche bilaterale Projekte.

Das zentrale Projekt der deutsch-marokkanischen Zusammenarbeit ist das 2014 eröffnete deutsch-marokkanische Exzellenzzentrum für Landwirtschaft (CECAMA) in Sidi Slimane. Das auf eine Vereinbarung von 2011 zurückgehende Projekt wird im Rahmen des bilateralen Kooperationsprogramms des BMEL gefördert und seit Ende 2012 unter Beteiligung von Kooperationspartnern aus der Wirtschaft umgesetzt. Ein umfassendes Schulungsangebot soll vermitteln, wie nachhaltige Produktionsverfahren, moderne Landtechnik, Produktionsmittel und gute Betriebsführung zu nachhaltigen Ertragssteigerungen in der Getreide-, Kartoffel- und Futtermittelproduktion führen können. Seit Anfang 2015 arbeitet das Zentrum auch im Bereich der Milch- und Rindfleischproduktion. Die 3. Projektphase gliedert sich in zwei Abschnitte mit einer Sollbruchstelle nach zwei Jahren. In Abhängigkeit eines bestimmten Kofinanzierungsanteils aus marokkanischen Quellen würde das Projekt um weitere zwei Jahre fortgesetzt. Im Januar 2018 fand eine externe Evaluierung des Projekts statt, die dem Zentrum eine sehr positive Entwicklung attestierte und deren wesentliche Empfehlung eine weitere Projektphase mit dem Schwerpunkt auf der Sicherung der institutionellen und finanziellen Nachhaltigkeit und Überführung des Exzellenzzentrums in die Eigenständigkeit lautet.