Bild: Lukas/PEXELS

Potsdam (agrar-PR) – SmartBees ist das mit einem Gesamtbudget von 6 Millionen Euro bislang größte EU-Forschungsprojekt zur Erhöhung der Nachhaltigkeit der Imkerei. Nach vier Jahren hat das Projekt nun seinen erfolgreichen Abschluss gefunden. Imker hatten im Rahmen des Projekts gemeinsam mit Unternehmen und Wissenschaftler aus 15 EU-Mitgliedsländern und angrenzenden Gebieten daran gearbeitet, Bedrohungen für Honigbienen auf unserem Kontinent besser zu verstehen, Gegenmaßnahmen zu entwickeln, und die innerartliche Vielfalt der Honigbiene zu schützen.

Der Koordinator des Projekts war Prof. Kaspar Bienefeld vom Länderinstitut für Bienenkunde im brandenburgischen Hohen Neuendorf und der Humboldt Universität zu Berlin.  „Das Smartbees-Projekt hat nicht nur  wertvolle neue Erkenntnisse gebracht, die die Bienenhaltung in Europa nachhaltig positiv beeinflussen werden. SmartBees ist auch ein gutes Beispiel dafür, welche Synergieeffekte Europäische Forschungskooperation erbringen kann“, betonte Bienefeld zum Abschluss des Projekts.

Die Verschiedenartigkeit der europäischen Bienen ist ein Reichtum, der die Grundlage dafür bietet, sich an zukünftige Stressoren wie den Klimawandel oder die Einschleppung neuer Krankheiten anzupassen. Erstes Ziel des Projekts war, die verbliebene Vielfalt zu ermitteln. Dazu wurden Proben aus über 2.200 Völkern aller 10 auf dem Kontinent vertretenen Bienen-Subspezies analysiert.

Die gute Nachricht: alle sind zumindest in Resten noch vorhanden. Außerdem können sie nun über einen DNA-Chip leicht und billig bestimmt werden, sodass Imker, die mit ihrer lokalen Subspezies arbeiten möchten,  sich der Herkunft ihrer Bienen vergewissern können.

Der Reichtum der Honigbienen-Vielfalt kann aber nur bewahrt werden, wenn Imker bereit sind, die lokal angepassten Bienen zu halten. Hierzu hat SmartBees ein Netzwerk von Interessierten in über 10 Ländern aufgebaut. Diese wurden intensiv in modernen Zuchtmethoden geschult. Umfangreiches Informationsmaterial wurde erstellt, übersetzt und an lokale Gegebenheiten angepasst.

Erstmals sind nun auch Züchter aller europäischen Unterarten in der Lage, über die zentrale Zuchtdatenbank beebreed.eu eine effiziente Zuchtplanung zu betreiben. Die beteiligten Züchterinnen und Züchter gründeten kürzlich das „International Honey Bee Breeding Network“ (Internationalen Netzwerk zur Bienenzucht),  um nach Ende von SmartBees diese Erfolge in die Zukunft zu tragen.

Ein weiteres wichtiges Ziel des Projektes war, die wichtigste Ursache für Verluste an Bienenvölkern besser zu verstehen und durch Selektion resistenter Bienen einzudämmen. Dabei handelt es sich um die Varroa-Milbe, einen eingeschleppten Parasiten der Bienenbrut, der gefährliche Viren überträgt und begünstigt.

Projektpartner aus Großbritannien konnten nun zeigen, dass Stoffe im Speichel der Milben dazu beitragen, das Immunsystem der Bienen  zu schwächen und so die Vermehrung der Viren zu ermöglichen. Weiterhin konnte gezeigt werden, wie sich verschiedene Varianten des Virus in ihrer Gefährlichkeit unterscheiden, und wie sich ihre Häufigkeit beim Übertritt von der Milbe auf die Biene verändert.

Um Bienen zu züchten, die selbst mit der Varroa-Milbe fertig werden, haben die Partner aus Hohen Neuendorf indes das wichtigste bekannte Resistenzmerkmal (Erkennung und Ausräumen Varroa-parasitierter Brutzellen) bei über 100.000  einzeln markierten Bienen mittels Infrarot Videoanalysen studiert.

Dänische Partner haben dann daraus die für das Verhalten verantwortlichen Genabschnitte identifiziert, deren Ausprägung nun ebenfalls bald durch einen kostengünstigen DNA-Chip in Erfahrung gebracht werden kann.

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