v.l.n.r.: Richard Shaba, Deutsche Botschaft in Tansania; Michael Stübgen, PSt im BMEL; Victoria Flavian Gowele, Doktorandin im Projekt Scale-N Quelle: Hendrik Schneider / ZALF
Gemüseanbau nur von Juni bis September und eine Mahlzeit pro Tag für die erwachsene Bevölkerung: Im Dorf Chinoje, 60 km von Dodoma, der Hauptstadt Tansanias entfernt, zählt das zum Alltag. Seit 2015 gehört das Dorf zu einer der Pilotregionen des Forschungsprojektes Scale-N, das die BLE als Projektträgerin betreut. Was hat sich seitdem getan? Darüber informierte sich der Parlamentarische Staatssekretär im BMEL, Michael Stübgen, bei einer Tansania-Reise vom 27. Februar bis 3. März 2019.

„Die Dinge haben sich geändert. Ernährung ist kein reines Frauenthema mehr, sondern es geht um unser aller Wohlbefinden. Alle reden darüber. Wenn sie es nicht von unseren Gemeindeleitern hören, erhalten sie Nachrichten von den Dorfversammlungen oder im Krankenhaus oder sogar von unseren Schulkindern“, so Dorfbewohner James Lungwa. Wie wurde die Ernährungssicherung der ländlichen Bevölkerung also verbessert?

Langfristige Maßnahmen mit Bevölkerung entwickelt

Zum Beispiel durch Lösungen zur langfristigen Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit, den Anbau von Lebensmitteln in Hausgemeinschaften und Schulgärten, einen Online-Marktplatz für den An- und Verkauf landwirtschaftlicher Produkte sowie Schulungen und Bildungsmaßnahmen. Das Forschungsprojekt Scale-N entwickelte diese Maßnahmen in den vergangenen drei Jahren in einem partizipativen Forschungsansatz; das heißt alle Beteiligten – Forscher, landwirtschaftliche Berater, Farmer, Vertreter von Nichtregierungsorganisationen und kleinen Wirtschaftsunternehmern sowie politische Entscheidungsträger – wurden von Beginn an in das Projekt eingebunden.

„Die Einbindung der lokalen Bevölkerung bei der Entwicklung der Innovationen zur Ernährungssicherung ist von besonderer Wichtigkeit. Ich habe den Eindruck, die Projektergebnisse sind direkt bei den Menschen vor Ort angekommen und erfolgreich umgesetzt worden“, stellte der Parlamentarische Staatssekretär im BMEL, Michael Stübgen, fest. „Insbesondere die Begeisterung der jungen Menschen für das Thema Ernährung und Landwirtschaft geben Hoffnung für langfristige und nachhaltige Strukturen.“

Mädchen aus Chinoje vor einem Papaya-Baum Quelle: Hendrik Schneider / ZALF

Küchen- und Schulgärten als Erfolgsmodell

Vor allem die Küchen- und Schulgärten und die Sensibilisierung aller Beteiligten leisten in Chinoje heute einen wertvollen Beitrag, um die Nahrungsmittelversorgung zu verbessern.
Begleitet wurden die Praxismaßnahmen durch gezielte Bildungsinitiativen und Coachings.
Ein langfristiger Projekterfolg ist damit gewährleistet und kann als Modell für andere ländliche Regionen dienen.

Klimawandel und Abhängigkeit von Landwirtschaft

Traditionell produziert die einheimische Bevölkerung in Chinoje nur vier Monate im Jahr Gemüse in den feuchten Flussbetten kurz nach der Regenzeit. Diese prekäre Situation wird sich zukünftig verschärfen, denn der Klimawandel trifft den afrikanischen Kontinent besonders hart. Laut Ernährungsreport 2018 der Vereinten Nationen (FAO) sank das Durchschnittseinkommen allein in den vergangenen fünf bis zehn Jahren durch die starken Schwankungen der Regenzeiten um etwa 35 Prozent.
Die Abhängigkeit von der Landwirtschaft ist groß: 69 Prozent der in Tansania produzierten Lebensmittel werden in kleinbäuerlichen Strukturen angebaut – sie dienen der Ernährungs- und Einkommenssicherung.

 

Hintergrund
Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) agiert im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) als Projektträgerin für das Projekt „Scale-N“ (Scaling-up Nutrition: Anwendungsmöglichkeiten einer ernährungssensitiven und diversifizierten Landwirtschaft für eine verbesserte Ernährungssicherung). Geleitet wird das Projekt vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V. Aktuell fördert die BLE in den Regionen Subsahara-Afrika und Südostasien 26 Forschungsprojekte im Bereich Welternährung mit einem Gesamtvolumen von 21 Millionen Euro.

Mehr Informationen zu Scale-N auf der Projektinternetseite Scale-N: Scaling-Up Nutrition: Implementing Potentials of nutrition-sensitive and diversified agriculture to increase food security und unter: Projektsuche Scale-N