Nach über einem Jahr Wartezeit haben die landwirtschaftlichen Arbeiter nun einen neuen Kollektivvertrag. Foto: sbb.it

Anfang Februar konnte endlich – nach langen Verhandlungsrunden – der Landeskollektivvertrag für landwirtschaftliche Arbeiter, Gartenbauarbeiter und Jagdaufseher abgeschlossen werden. Die Neuerungen gelten ab Februar 2017.

Quelle: sbb.it | Autor: Josef Haller

Der Landeskollektivvertrag für landwirtschaftliche Arbeiter, Gartenbauarbeiter und Jagdaufseher war mit Jahresende 2015 verfallen. Für die Arbeitgeber nahmen an den Verhandlungen neben dem Landesobmann des Südtiroler Bauernbundes, Leo Tiefenthaler, und einem Vertreter der Coldiretti Valtl Raffeiner und Thomas Psenner für die Gärtnervereinigung, Andrea Kuppelwieser für die Fachgruppe Obstbau, Benedikt Terzer für den Jagdverband, Josef Schmiedhofer für die Großbetriebe teil. Mit dabei waren zudem der zuständige Bauernbund-Hauptabteilungsleiter Josef Haller und der Leiter der Bauernbund-Abteilung Arbeitsberatung/Löhne, Thomas Wieser.

Gewerkschaften mit langer Liste von Forderungen
Die Gewerkschaften hatten schon im September 2015 eine Plattform mit umfangreichen Forderungen vorgelegt.
Diese umfassten unter anderem Lohnerhöhungen von sechs Prozent für 2016 und 2017, eine Produktivitätsprämie, die Abschaffung der Einstufung der Erntehelfer, das Vorrecht auf Wiederaufnahme, die Einführung einer schriftlichen Kündigung auch für Saisonarbeiter und Erntehelfer, Erhöhungen der Treueprämie, der Fahrtspesenvergütung, des Arbeitgeberanteils am Zusatzrentenfonds, volle Integrierungszahlungen des Arbeitgebers bei Krankheit und Unfall und einige weitere Forderungen.

Abbruch der Verhandlungen im Sommer 2016
Aufgrund dieser umfangreichen Forderungen zeichnete sich bald ab, dass die Verhandlungen schwierig sein und sich in die Länge ziehen würden. Nach mehreren Runden wurden die Verhandlungen im Sommer 2016 ergebnislos unterbrochen.
Die Arbeitgebervertreter versuchten, wiederholt darzulegen, dass insbesondere im Obstbau die Rahmenbedingungen alles andere als günstig sind. Die Auszahlungspreise der Genossenschaften reichten in den letzten Jahren oft nicht aus, um die Produktionskosten abzudecken. Aber auch den Gartenbaubetrieben machen Kosten- und Konkurrenzdruck zu schaffen. Demnach sei man nicht in der Lage, größere Zugeständnisse zu machen.

Erzielter Kompromiss ist für beide Seiten akzeptabel
Nach einer Pause trafen sich die Sozialpartner am 6. Februar, um die Möglichkeit eines Kompromisses auszuloten – und ein solcher konnte erfreulicherweise auch erreicht werden. 
Bauernbund-Obmann Leo Tiefenthaler ist über das Ergebnis der Verhandlungen erfreut: „Es ist gelungen, einen Kompromiss zu finden, mit dem beide Sozialpartner leben können.“ Das Ergebnis in Kurzform:

– eine erste Lohnerhöhung von 1,15 Prozent ab Februar 2017;
– weitere Lohnerhöhung von 1,15 Prozent ab Jänner 2018;
– ausgebildete Alleinköche bei Betrieben mit Urlaub auf dem Bauernhof werden als spezialisierte Arbeiter eingestuft;
– Anwendung der gesetzlich vorgesehenen Steuerreduzierung auf produktionsbezogene Prämien;
– Erhöhung der Integrierung des Tagegeldes durch den Arbeitgeber bei Unfall für Arbeiter auf bestimmte Zeit von 25 auf 30 Prozent der effektiven Entlohnung.

Mit diesen Erhöhungen wird der Teuerung und der Inflation im Verhandlungszeitraum Rechnung getragen.Die Kaufkraft für die landwirtschaftlichen Arbeiter wird damit erhalten, gleichzeitig wird aber auch den schwierigen Rahmenbedingungen der Arbeitgeber Rechnung getragen. Dieses Gleichgewicht war Voraussetzung, um diesen tragfähigen Kompromiss zu finden, und beide Seiten haben letztendlich Verständnis für die Situation des anderen Sozialpartners gezeigt.

Schwierige Verhandlungen in vielen italienischen Provinzen
Derzeit laufen in vielen Provinzen Italiens dieselben Kollektivvertragsverhandlungen. Auch dort waren die Verhandlungsrunden durchwegs schwierig, die Positionen weit auseinander und teilweise verhärtet.
Trotzdem gelang es in den letzten Monaten, in einigen Provinzen eine Einigung zu erzielen. Südtirol liegt mit dem erzielten Kompromiss im Trend, nur zwei Abschlüsse können als Ausreißer nach oben angesehen werden, welche mit den besonderen Situationen in diesen Provinzen zu erklären ist.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen sind schwierig
Auch wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Landwirtschaft in Südtirol nicht direkt mit anderen Regionen Italiens verglichen werden können, so gilt trotzdem für ganz Italien, dass die wirtschaftliche Situation schwierig ist.

Schwierige Absatzmärkte, erhöhter Konkurrenzdruck, weiterhin steigende bürokratische Belastungen und formelle Auflagen machen den Betrieben zu schaffen. Viele dieser Faktoren belasten die Produktivität der Betriebe, diese stellt aber nach wie vor die Grundvoraussetzung dar, um angemessene Löhne auszahlen zu können. Es bleibt zu hoffen, dass sich bis zu den nächsten Kollektivvertragsverhandlungen diese Rahmenbedingungen verbessern.

Quelle:

Südtiroler Bauernbund
K.-M. Gamper Str. 5
Postfach 421
I-39100 Bozen