Bescheidübergabe an die Zuwendungsempfänger im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit Bundesministerin Julia Klöckner, Quelle: BMEL

Um die Bekämpfung der Pflanzenkrankheit „Falscher Mehltau“ im ökologischen Weinbau zu verbessern und den Einsatz von kupferhaltigen Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren, hat die Bundeministerin für den Weinbau, Julia Klöckner, einen Förderbescheid von über sechs Millionen Euro übergeben.

Er geht an das Praxisforschungsnetzwerk „Gesunde Reben (Vitis vinifera) im Ökoweinbau durch Forschung, Innovation und Transfer“ VitiFIT. Die vier Ökoverbände (ECOVIN GmbH, Öko-BeratungsGesellschaft mbH, Bioland Beratung GmbH, Demeter e. V.) bilden das „Praxissystem“ im Forschungsnetzwerk und sorgen für den kontinuierlichen Wissenstransfer mit den Praktikern über alle Betriebsformen und Weinproduktionszweige hinweg.

Vor allem auf Mikroorganismen und Weichtiere kann Kupfer bereits in geringen Konzentrationen toxisch wirken. Hinzu kommt, dass sich Kupfer vor allem in den oberen Bodenschichten anreichert.

Dazu Julia Klöckner: „Der Falsche Mehltau stellt besonders für den ökologischen Weinbau eine große Herausforderung dar. Mangels wirksamer Alternativen wird bei der Bekämpfung auf Kupfersulfat zurückgegriffen – andernfalls käme es durch den Pilzbefall zu Ertrags- und Qualitätsausfällen von 50 bis 100 Prozent. Mit dem Forschungsprojekt „Gesunde Reben“ intensivieren wir daher die Suche nach wirksamen Alternativen. Auch die Züchtung und Entwicklung neuer, pilzresistente Sorten wollen wir vorantreiben. Das sind entscheidende Schlüssel für noch mehr Nachhaltigkeit. Geforscht wird in enger Zusammenarbeit mit den Praktikern, für die die Lösungen effektiv anwendbar sein müssen. Erarbeitet werden soll ein Maßnahmenkatalog mit praxistauglichen Strategien. Das ist ein guter und richtiger Ansatz, denn wir als Ministerium gerne unterstützen.“

Hintergrund
Mit dem Verbundvorhaben VitiFIT haben sich erstmals alle führenden Einrichtungen der deutschen Weinbauforschung und der Praxisberatung mit den Ökoverbänden zusammengeschlossen. Sie wollen auf Basis eines Praxisforschungsnetzwerkes vorhandene Strategien zur Bekämpfung des Falschen Mehltaus der Rebe optimieren und neue Ansätze entwickeln, um mittelfristig den Kupfereinsatz zu reduzieren.

Die Bekämpfungsstrategien im Bereich der Pflanzengesundheit werden im Wesentlichen auf Kupferminimierung durch neue Pflanzenschutzverfahren (z. B. mit mikroverkapselten Kupfersalzen) und Kupferersatz (z. B. Pflanzenextrakte; UVC-Technologie) sowie deren Kombination basieren. Flankierende anbau- und kulturtechnische Maßnahmen sollen das Inokulumpotenzial von P. viticola (Falscher Mehltau) senken. Molekularbiologische Analysen werden sich dem pilzlichen Mikrobiom des Blattes unter den o.g. Bedingungen widmen. Besonderes Augenmerk soll auf den Pflanzenschutzmittelwirkstoff Kaliumphosphonat gelegt werden. Bereits existierende und neu gezüchtete pilzwiderstandsfähige Rebsorten (PIWIs) spielen in den erarbeiteten Handlungskonzepten eine zentrale Rolle. Hierbei stehen die Verbesserung der önologischen Weinstilistik, die Marktakzeptanz von PIWIs sowie deren betriebliche Einführung im Fokus.