Voller Saal und interesssierte Zuhöhrer beim Obstbauseminar am Ritten

In den Wintermonaten – zumal bei den aktuell frostigen Temperaturen – befindet sich die Natur im Ruhemodus. Die Südtiroler Obstbauern nutzen diese Zeit für intensive Fortbildung, zuletzt beim Obstbauseminar des Vereins der Absolventen landwirtschaftlicher Schulen (ALS) am Ritten. Ein wichtiges Thema dort waren die „ergänzenden Obstkulturen“ – also alles, was außer Äpfeln noch in Südtirols Obstgärten gedeiht.

Der Reigen der wichtigen Fortbildungsveranstaltungen für die Südtiroler Obstbauern wird traditionell von der vom ALS organisierten Südtiroler Obstbautagung Anfang Jänner in Meran eröffnet; ein weiterer Fixpunkt ist das Obstbauseminar in Lichtenstern am Ritten sowie im Februar zahlreiche weitere Kurse, in denen es um eine breite Themenpalette geht, die von neuen Anbaumethoden bis hin zu Fahrtechnik reicht.

Das in Südtirol mit Abstand am meisten angebaute Obst sind Äpfel. Weniger bekannt ist, dass es eine Vielzahl weiterer Obstarten gibt, die von den Südtiroler Bauern seit jeher kultiviert werden. Walter Guerra, Pomologe und Leiter des Instituts für Obst- und Weinbau am Versuchszentrum Laimburg, berichtete beim Obstbauseminar von mittlerweile 17 ergänzenden Obstkulturen, die auf über 800 Hektar angebaut werden. „Natürlich sprechen wir hier noch von einer Nische gegenüber den Äpfeln. Dennoch erkennt die Südtiroler Obstwirtschaft immer mehr die Chancen, die sich aus der Diversifizierung ergeben“, so Guerra. Die Vorteile für die Bauern seien sowohl ökologischer als auch betriebswirtschaftlich finanzieller Art.

Von Erdbeeren über Kastanien bis hin zu Oliven

Die Artenvielfalt – neben Äpfeln – reicht von traditionsreichem Südtiroler Obst wie Kastanien (welche über die Hälfte der Fläche ausmachen), Erd- und Himbeeren, Kirschen, Marillen, Pflaumen über diverse Beeren wie Gojibeeren, Brombeeren, Johannis- und Heidelbeeren bis hin zu Holunder, Aronia, Kiwi und Tafeltrauben. Der Absolventenverein hat daher beschlossen, auch beim Obstbauseminar ab heuer einen Schwerpunkt auf ergänzende Kulturen zu setzen. Zugleich soll am Versuchszentrum Laimburg in Zukunft noch intensiver geforscht werden: „Es geht um Sortenprüfung, Sortenzüchtung, Kulturführung, Unterlagenprüfung, Ausdünnung und Schnitt sowie Pflanzenschutz und Bewässerung“, erklärt Guerra das breite Tätigkeitsfeld.
 
Schließlich muss das Obst nicht nur richtig kultiviert werden, sondern auch am richtigen Ort, damit die Vermarktung erfolgreich sein kann, um den Bauern das Einkommen zu sichern. Markus Tscholl von der Obstversteigerung EGMA berichtete aus Sicht des Vermarkters über seine Erfahrungen. Demnach gedeihen Erdbeeren am besten in höheren Lagen zwischen 600 und 1.600 Höhenmetern; als Sorte hat sich Elsanta bewährt. Bei Kirschen – in Südtirol vorwiegend Kordia und Regina – gilt: „Je höher sie wachsen, desto besser ist es – also nicht unter 800 Höhenmetern“, so Tscholl. Auch Himbeeren wachsen optimal in Lagen von über 600 Höhenmetern, ähnliches gilt für Brombeeren, rote und schwarze Johannisbeeren sowie Heidelbeeren – letztere gedeihen auch schon ab 400 Metern.

 „Eine Chance für die Bauern“

 Das Südtiroler Apfelkonsortium als Dachorganisation aller Obstproduzenten begrüßt die Anstrengungen, die von allen Beteiligten unternommen werden. Obmann Georg Kössler: „Der Apfel ist zweifellos unser Hauptprodukt, mit dem wir im internationalen Kontext besonders erfolgreich sind: weil in Südtirol seit Jahrzehnten sehr viel Know-how gebündelt und strukturiert wird und weil wir dadurch eine besonders hohe Qualität erreichen.“

Dennoch sei es wichtig, sich immer weiter zu entwickeln. „Wir wissen, dass sich das Klima ändert und damit auch die Anbaubedingungen von uns Bauern. Es gibt neue Herausforderungen, aber auch neue Lösungen und neue Möglichkeiten. Es ist daher sehr wichtig, dass die Bauern ständig am neuesten Stand der Forschung sind und sich mit ihrer Betriebsentwicklung intensiv beschäftigen – und dazu gehören nicht zuletzt die ergänzenden Obstkulturen.“

Quelle: 

Südtiroler Apfelkonsortium
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