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(Statistik Austria) – Die regionale Landwirtschaftliche Gesamtrechnung (R-LGR) stellt Daten über die ökonomische Lage der Landwirtschaft auf Ebene der Bundesländer bereit. Die Konzepte und Methoden der R-LGR, deren Ergebnisse einmal jährlich an das Statistische Amt der Europäischen Union (Eurostat) übermittelt werden, sind auf europäischer Ebene harmonisiert. Vergleiche sind damit nicht nur zwischen den österreichischen Bundesländern sondern auch mit anderen NUTS 2-Regionen1 der EU möglich. Die R-LGR dient zudem als Grundlage für Berechnungen im Rahmen der regionalen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen.
Bei den nachstehend beschriebenen Daten für 2018 handelt es sich um vorläufige Ergebnisse.

Bei einem Produktionswert von rd. 7,4 Mrd. Euro (+1,2%) verringerte sich die Bruttowertschöpfung der heimischen Landwirtschaft 2018 um 2,2% auf rd. 3,2 Mrd. Euro (jeweils gemessen zu Herstellungspreisen). In den Bundesländern fiel die Entwicklung uneinheitlich aus. Beim Produktionswert des landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereichs2, welcher in sechs Bundesländern zunahm, streuten die Veränderungsraten zwischen +5,8% in der Steiermark und -4,3% in Oberösterreich. Die Bruttowertschöpfung war in fünf Bundesländern rückläufig, wobei vor allem Oberösterreich maßgeblich zum gesamtösterreichischen Minus beitrug.

Vom Produktionswert der heimischen Landwirtschaft entfallen rund drei Viertel auf die drei Bundesländer Niederösterreich, Oberösterreich und Steiermark. 2018 erzielte Niederösterreich einen landwirtschaftlichen Gesamtproduktionswert von rd. 2,4 Mrd. Euro, was 32% des Bundesergebnisses entsprach, gefolgt von Oberösterreich mit rd. 1,7 Mrd. Euro bzw. 23% und der Steiermark mit rd. 1,4 Mrd. Euro bzw. 19%. Das Burgenland trug 7%, Kärnten 6%, Tirol und Salzburg jeweils 5% bei. 2% entfielen auf Vorarlberg und 1% auf Wien. Während die pflanzliche Produktion von Niederösterreich dominiert wird (mit einem Anteil von 41% im Jahr 2018), leistet in der tierischen Erzeugung Oberösterreich (mit einem Anteil von 30% im Jahr 2018) den größten Beitrag.

Auf Bundesebene nahm der landwirtschaftliche Gesamtproduktionswert 2018 leicht zu (+1,2%), wobei preisbedingte Einbußen auf dem Schweinemarkt sowie hitze- und trockenheitsbedingte Mindererträge im Acker- und Futterbau guten Ernten im Obst- und Weinbau gegenüberstanden. Sechs Bundesländer verzeichneten einen Zuwachs beim landwirtschaftlichen Gesamtproduktionswert, mit den höchsten Wachstumsraten in der Steiermark (+5,8%) und Wien (+5,6%). Im Burgenland veränderte sich der Produktionswert des landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereichs nur geringfügig (-0,3%). Rückgänge waren in Oberösterreich (-4,3%) und Kärnten (-2,8%) festzustellen.

Die divergierenden Veränderungsraten in den Bundesländern sind zum einen vor dem Hintergrund der Entwicklungen in den vorangegangenen Jahren zu sehen. Zum anderen kommen lokale Einflüsse wie Unterschiede im Witterungsverlauf zum Tragen. Ein weiterer maßgeblicher Faktor ist die heterogene Struktur der landwirtschaftlichen Produktion in den Bundesländern, welche sich auch in den Ergebnissen der R-LGR widerspiegelt. Während in den südlichen und westlichen Bundesländern mehr als die Hälfte des landwirtschaftlichen Gesamtproduktionswerts aus der tierischen Erzeugung stammt (mit den höchsten Anteilen in Salzburg und Tirol mit jeweils knapp zwei Drittel im Jahr 2018), dominiert im Osten des Bundesgebiets die pflanzliche Produktion (mit Anteilen von 96% in Wien, 81% im Burgenland und 54% in Niederösterreich). Verschieden sind zudem die Schwerpunkte innerhalb der pflanzlichen und tierischen Erzeugung bzw. kommt auch den landwirtschaftlichen Dienstleistungen und nicht trennbaren nichtlandwirtschaftlichen Nebentätigkeiten wie Urlaub am Bauernhof eine unterschiedlich hohe Bedeutung zu. So fiel der Beitrag der nichtlandwirtschaftlichen Nebentätigkeiten zum landwirtschaftlichen Gesamtproduktionswert 2018 in Vorarlberg (17%), Salzburg (15%) und Tirol (13%) am höchsten aus, die niedrigsten Anteile verzeichneten das Burgenland (1%), Oberösterreich und Wien (jeweils 2%). Die landwirtschaftlichen Dienstleistungen trugen 2018 zwischen 1% und 5% zur landwirtschaftlichen Gesamtproduktion bei.

Nachstehend wird die Entwicklung der landwirtschaftlichen Produktion in den einzelnen Bundesländern überblicksmäßig beschrieben. 

In der Steiermark hatte der Obstbau, wo nach den frostbedingten Ausfällen der Jahre 2016 und 2017 eine ausgesprochen hohe Ernte eingebracht wurde, einen maßgeblichen Anteil am Anstieg des landwirtschaftlichen Gesamtproduktionswerts (+5,8%). Ein wertmäßiges Plus verzeichneten auch die Produktgruppe Pflanzen und Blumen3 sowie die Futterpflanzen und Sojabohnen, während bei Getreide (inkl. Körnermais), Wein und Ölkürbis Erzeugungsvolumina und Produktionswerte rückläufig waren. In der tierischen Erzeugung erhöhten sich die Produktionswerte von Rindern, Eiern und Geflügel. Einen geringfügigen wertmäßigen Zuwachs gab es infolge einer Produktionsausweitung zudem bei der Milch. Demgegenüber konnte in der Schweinehaltung das höhere Erzeugungsvolumen den Rückgang der Preise nicht kompensieren.

Der Zuwachs des Produktionswerts der Wiener Landwirtschaft (+5,6%) resultierte vor allem aus gestiegenen Erlösen im Gemüsebau. Dank höherer Erzeugungsvolumina erhöhten sich auch die Produktionswerte von Getreide und Wein, während bei Handelsgewächsen und Kartoffeln deutliche Einbußen zu verzeichnen waren.

In Tirol (+4,2%) gab es in der Milchproduktion, im Gemüse- und Obstbau sowie bei den nichtlandwirtschaftlichen Nebentätigkeiten wertmäßige Zuwächse. Ein niedrigeres Erzeugungsvolumen führte jedoch zu einer Abnahme des Werts der Futterpflanzenproduktion. Rückläufig war auch der Produktionswert von Rindern.

In Niederösterreich waren vor allem die gestiegenen Erzeugungsvolumina im Wein-, Obst- und Getreidebau maßgeblich für den Zuwachs des landwirtschaftlichen Gesamtproduktionswerts (+2,9%). Höher als 2017 fielen auch die Produktionswerte von Gemüse, Milch, Geflügel und Eiern aus. Einbußen gab es in der Schweinehaltung, bei den Rindern sowie insbesondere im Hackfruchtbau.

In Salzburg ließen höhere Erlöse bei nichtlandwirtschaftlichen Nebentätigkeiten und landwirtschaftlichen Dienstleistungen den landwirtschaftlichen Gesamtproduktionswert steigen (+2,7%). Der Wert der Milchproduktion blieb trotz rückläufiger Preise dank eines leicht gestiegenen Volumens stabil. Zu einem wertmäßigen Rückgang kam es in der Rinderproduktion, wo Volumen und Preise sanken, sowie infolge eines niedrigeren Produktionsvolumens auch im Futterbau.

In Vorarlberg (+1,6%) nahm der Produktionswert von Obst nach dem frostbedingten Einbruch im Vorjahr erheblich zu. Die Milchproduktion verzeichnete wegen des etwas höheren Produktionsvolumens einen geringfügigen wertmäßigen Zuwachs. Demgegenüber ließ bei den Rindern ein niedrigeres Erzeugungsvolumen in Verbindung mit leicht gesunkenen Preisen den Produktionswert sinken. Auch die Erzeugung von Futterpflanzen verringerte sich dem Volumen und Wert nach.

Im Burgenland veränderte sich der Produktionswert des landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereichs den vorläufigen Berechnungen zufolge nur geringfügig (-0,3%). In der wichtigsten Sparte, dem Weinbau, konnte infolge des gestiegenen Erzeugungsvolumens ein wertmäßiger Zuwachs erzielt werden. Auch die Produktionswerte von Getreide, Futterpflanzen und Frischobst (excl. Weintrauben) erhöhten sich im Vorjahresvergleich, während sie bei Ölsaaten und Ölfrüchten, Hackfrüchten und Gemüse rückläufig waren. In der tierischen Erzeugung standen wertmäßige Rückgänge in der Schweineproduktion und Milcherzeugung höheren Erlösen in der Geflügel- und Eiproduktion gegenüber.

Die Abnahme des landwirtschaftlichen Gesamtproduktionswerts in Kärnten (-2,8%) war auf Einbußen sowohl in der tierischen als auch in der pflanzlichen Erzeugung zurückzuführen. Zum Tragen kam u.a. der starke Rückgang in der Schweinehaltung. Etwas niedriger als im Vorjahr fiel auch der Wert der Rinderproduktion aus, wohingegen sich der Produktionswert von Milch nur geringfügig änderte und Geflügel- und Eiproduktion wertmäßig zulegten. Ein kräftiges Plus gab es dank üppiger Ernte trotz deutlich rückläufiger Preise im Obstbau. Der Produktionswert von Futterpflanzen stieg ebenfalls. Die Getreideproduktion (inkl. Körnermais) nahm hingegen dem Volumen und Wert nach ab.

Auch in Oberösterreich prägten vor allem die deutliche Einbußen in der Schweineproduktion die Entwicklung des landwirtschaftlichen Gesamtproduktionswerts (-4,3%). Niedriger als 2017 fiel außerdem der Produktionswert von Rindern aus, während bei Milch, Geflügel und Eiern moderate wertmäßige Zuwächse erzielt wurden. In der pflanzlichen Erzeugung waren vor allem im Gemüsebau sowie bei den Hackfrüchten hohe Verluste zu verzeichnen, aber auch bei den Ölsaaten und Ölfrüchten sowie den Futterpflanzen lagen Erzeugungsvolumina und Produktionswert deutlich unter dem Vorjahresergebnis. Beim Getreide konnten höhere Preise den Produktionsrückgang kompensieren. Ein kräftiges wertmäßiges Plus gab es dank einer guten Ernte im Obstbau.

Dem Gesamtproduktionswert der heimischen Landwirtschaft von rd. 7,4 Mrd. Euro standen Aufwendungen für Vorleistungen4 in der Höhe von rd. 4,2 Mrd. Euro gegenüber5. In Abhängigkeit vom Umfang bzw. von der Ausrichtung und Intensität der landwirtschaftlichen Produktion differieren die Vorleistungskosten auf Bundesländerebene in ihrer Höhe und Zusammensetzung erheblich. Die höchsten Vorleistungen weisen Niederösterreich (32% des gesamtösterreichischen Werts), Oberösterreich (24%) und die Steiermark (18%) auf. Im Vorjahresvergleich erhöhten sich die Vorleistungen auf Bundesebene um 4,0%, mit Anstiegen in allen Bundesländern mit Ausnahme von Vorarlberg.

Die Entwicklung von Produktion und Vorleistungen hatten einen Rückgang der Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen um 2,2% auf rd. 3,2 Mrd. Euro zur Folge. Auf Bundesländerebene fiel die Entwicklung recht unterschiedlich aus, mit Zuwächsen in Niederösterreich, der Steiermark, Vorarlberg und Wien sowie Rückgängen in den übrigen Bundesländern.

1 NUTS ist die Abkürzung für „Nomenclature des unités territoriales statistiques“, der hierarchisch aufgebauten, einheitlichen territorialen Gliederung zur Erstellung regionaler Statistiken der EU.
2 Im Weiteren wird dieser auch als landwirtschaftlicher Gesamtproduktionswert bezeichnet.
3 Blumen und Zierpflanzen (inkl. Weihnachtsbäume), Baumschulerzeugnisse, Anpflanzungen
4 Hierzu zählen Aufwendungen für Saat- und Pflanzgut (exkl. innerbetrieblich erzeugtes Saatgut), für Energie (inkl. Schmierstoffe), Dünge- und Bodenverbesserungsmittel, Pflanzenschutzmittel, Tierarzt und Medikamente, Futtermittel, Instandhaltung von Maschinen, Geräten und baulichen Anlagen, landwirtschaftliche Dienstleistungen, unterstellte Bankgebühren sowie für sonstige im Produktionsprozess eingesetzte Güter und Dienstleistungen (mit Ausnahme der Nutzung des Anlagevermögens).
5 In diesem Wert sind auch die innerbetrieblich erzeugten und verbrauchten Futtermittel (mit einem Anteil von rd. 18% an den Vorleistungen im Jahr 2018) enthalten.

 

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Landwirtschaftliche Gesamtrechnung nach Bundesländern Ergebnisse für 2018 Stand Oktober 2019