AMA Flächenauswertung 2020 – Kartoffeln

Speisekartoffelflächen wieder im Aufschwung – Bio-Trend setzt sich fort, Kontraktflächen für Stärke leicht ausgedehnt – massive Negativkorrektur bei Bio, Niederösterreichische Produktionsflächen für Kartoffeln auf Vorjahresniveau, MFA-Flächen 2020 decken heimischen Bedarf

Die jährliche Auswertung des Agrarmarkt Austria – Mehrfachantrags für Produktionsflächen heimischer Kartoffeln (konv. & bio) weist 2020 gegenüber dem Vorjahr eine bundesweite Flächenausdehnung von 3 % (+ 244 ha) auf. Während konventionell bewirtschaftete Produktionsflächen insgesamt 4 % (+716 ha) zulegen konnten, entwickelte sich die Anbaufläche für Bio- Kartoffeln, aufgrund einer markanten Flächenreduktion im Bio- Stärkesegment mit -12 % (- 472 ha), insgesamt rückläufig. Damit einhergehend reduzierte sich auch der Bio- Anteil an der Gesamtanbaufläche von zuletzt 17 % auf 15 %.

Frühkartoffelflächen (konv. & bio) wuchsen mit + 5 % erneut an und bestätigten den Trend der letzten Jahre. Insbesondere der 19 %ige Zuwachs an Biofläche Frühkartoffeln trug dazu bei. Demnach werden 2020 bereits ein Viertel aller österreichischen Frühkartoffelhektare biologisch bewirtschaftet.

Speisekartoffelflächen wieder im Aufschwung, Bio-Trend setzt sich fort

Die im MFA 2020 ausgewiesene Speisekartoffelflächen (konv. & bio) fanden nach letztjährigem Rückschritt zu alter Stärke zurück und gaben mit + 6 % (+ 846 ha) zum 3-jähr. Durchschnitt ein kräftiges Lebenszeichen von sich. Die durchaus attraktive Preisgestaltung der laufenden Saison und der progressive Abverkauf in Krisenzeiten könnten die positive Flächenentwicklung zu guter Letzt noch vorangetrieben haben. Mehr denn je, zeigt sich im Frischmarktsegment der Trend in Richtung biologisch produzierter Erzeugnisse. Und die Landwirtschaft reagiert. Speisekartoffeln werden, nach letztjährigem Dämpfer, heuer wieder vermehrt biologisch produziert und die bundesweiten Produktionsflächen liegen mit einem Wachstum von 24 % (+ 446 ha) zu 2019 sogar vor der konventionellen Produktion (+ 5 %, + 400 ha). Somit wird mittlerweile beinahe jeder fünfte Hektar im Speisekartoffelsegment nach Bio- Standard bestellt. Heimische Speiseindustrieflächen präsentieren sich im Beobachtungszeitraum der letzten 3 Jahre mit 3.884 ha (konv. & bio) und wohldosierten Wachstumstendenzen einmal mehr konstant.

Kontraktflächen für Stärke leicht ausgedehnt, massive Negativkorrektur bei Bio

Während sich die Kontraktflächen für konventionelle Stärkekartoffeln gemäß der Marktlage gesund entwickeln, korrigierten die Antragsteller von Bio-Stärkeflächen nach dem Hype der letzten 3 Jahre mit einem Abfall von – 63 % zum Vorjahr massiv. Warum? Lukrative Ankaufspreise trieben das Angebot an Bio-Stärke in die Höhe, aber die Nachfrage zog nicht in gleicher Weise nach. 2019 hatte der Eintritt neuer Anbieter einen starken Rückgang des Marktpreises für Bio-Kartoffelstärke ausgelöst. Infolgedessen wurden die Abnahmemengen der Industrie um die Hälfte reduziert und damit auch die Produktionsflächen für Bio-Stärke. (- 53 % zum 3jährigen Mittel)

Üblicherweise werden die vielfältigen Nutzungssorten bevorzugt dort produziert, wo sie gebraucht werden. Im langjährigen Vergleich der Zeitreihe und auf Bundesländer heruntergebrochen zeigt die diesjährige MFA-Auswertung einmal mehr Strömungen und Entwicklungen des Marktes auf.

Niederösterreichische Produktionsflächen für Kartoffeln auf Vorjahresniveau

Die Niederösterreichischen Kartoffelflächen zeigen sich mit 17.986 ha zu 2019 annähernd unverändert. Frische konnte „zulasten“ von Verarbeitung mit + 712 ha zulegen. Oberösterreichische Bauern weiteten ihre Produktionsflächen (konv. & bio) nach letztjährigem Rückzug mit + 9 % auf 1.327 ha abermals aus. Getragen durch das Wachstum der Verarbeitung- und Veredelungsbetriebe, wächst die Kartoffelanbaufläche im Burgenland unvermindert an. Von 918 ha (2016) um 58 % auf 1.454 ha (2020). Wird das Segment Speiseindustrie isoliert betrachtet, ist der Flächenanstieg noch eklatanter. Mit +76 % Flächenwachstum für Industriekartoffeln hat sich das Burgenland nach Niederösterreich nachhaltig als Hauptzulieferer für die überwiegend in Wien und Wien Umgebung ansässigen Großabnehmer etabliert.

6 % der bundesweiten Produktionsflächen für Kartoffeln sind in den restlichen sechs Bundesländern beheimatet, wobei hierbei die Versorgung der hiesigen Bevölkerung mit regionalen Erzeugnissen im Vordergrund steht. Wie in der Grafik ersichtlich konzentrieren sich Vermarkter in erster Linie auf den Frischmarkt. Die Steiermark stellt in der Gruppe der „Kleinsten“, mit marginalen Stärke- und Speiseindustrieflächen, noch eine Ausnahme dar. Die sukzessive Änderung der Einkaufs- und Ernährungsgewohnheiten, beeinflussen in hohen Maße das Anbauverhalten unserer Landwirte.

MFA- Flächen 2020 decken heimischen Bedarf

Hervorgerufen durch COVID-19 und dessen ungeliebte Begleiterscheinungen steht die Speisekartoffel- und Verarbeitungsindustrie vor gewaltigen Herausforderungen. Auch wenn der Bedarf von Pommes & Co durch die Lockerungen der Maßnahmen wieder ein wenig an Fahrt aufgenommen hat.

Wie nachhaltig der Einfluss der Corona-Krise und die damit verbundenen Verwerfungen auf den nationalen- und internationalen Kartoffelmarkt sein wird und wie sich die Flächenanträge dazu verhalten, wird zur Gänze erst 2021 fassbar. Die Kartoffelproduktion ist in der Bundesrepublik Österreich nach Produktionsflächen auch 2020 in allen Bereichen gut und bedarfsdeckend aufgestellt. Die Nachbeben der verlustreichen, kostenintensiven Saison 2018 scheinen mit 2019 soweit verklungen und so stehen Österreichs Landwirte auch weiterhin zu der vielseitigen Feldfrucht und sichern die nationale und regionale Versorgung mit heimischer Ware aller Nutzungsrichtungen ab.

Quelle: Agrarmarkt Austria (AMA Flächenauswertung 2020 – Kartoffeln) Bild: Pixabay