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In einer Pressemeldung vom 12.04.2019, schrieb die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. (AbL), dass das deutschlandweit agierende Unternehmen Denrree seit besagter Woche in seinen Berliner Biosupermärkten „denns“ Bio-Frühkartoffeln aus Ägypten, zu einem Preis von 1,79 €/kg anbietet. Die regional erzeugten Bio-Kartoffeln der letztjährigen Ernte kosten im gleichen Laden 2,29 €/kg und sind damit 50 Cent teurer als die Importware aus dem Wüstenstaat. Bei beiden Angeboten handelt es sich um festkochende Sorten des Bioanbauverbandes Demeter. Beim Denrree-Verbundpartner, dem Stuttgarter Biosupermarkt „Naturgut“, kosten Bio-Frühkartoffeln der gleichen Sorte aus Ägypten 2,49 €/kg.

Für Phillip Brändle, Mitglied im Bundesvorstand der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), der aktuell versucht, sich in Brandenburg auch durch die Produktion von Biokartoffeln eine landwirtschaftliche Existenz aufzubauen, ist das Billig-Angebot alleine aufgrund des Vorhandenseins regionaler Kartoffeln nicht nachvollziehbar: „Zwar neigen sich die Läger mit regionalen Biokartoffeln langsam dem Ende entgegen, aber Kolleginnen und Kollegen sowie Erzeugerzusammenschlüsse haben durchaus noch Kapazitäten, um noch bis Ende April regionale Biokartoffeln nach Berlin zu liefern“. Nach Ansicht von Brändle besteht aktuell also noch keine Notwendigkeit, derartige Importware anzubieten. Aber selbst dann gebe die Preisgestaltung auf jeden Fall Anlass zu Kritik: „Wie kann es sein, dass Biokartoffeln aus einem Land, das zu 96 Prozent aus Wüste besteht und von wo aus die Kartoffeln rund 2900 km nach Berlin transportiert werden müssen, 50 Cent je Kilo günstiger sind als die Ware der Bauern aus dem Umland von Berlin?“. Brändle weiter: „Was ist das für ein fatales Signal an die regionalen Bäuerinnen und Bauern in Brandenburg, die aktuell die Kartoffeln für die kommende Ernte in den Boden legen?“

Schon seit längerem weist die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) darauf hin, dass auch und gerade im Biomarkt darauf geachtet werden muss, dass nicht die gleichen strukturellen Fehler gemacht werden wie im konventionellen Bereich, in dem in vielen Marktsegmenten nur noch wenige große Konzerne das Sagen haben, die vor allem anderen ihre eigenen Profite verfolgen und denen das Auskommen der Bäuerinnen und Bauern vor Ort offenbar kein Anliegen mehr ist.

Dennree betreibt nach eigenen Angaben in Deutschland rund 300 eigene Biosupermärkte und beliefert in Deutschland und Österreich 1.400 Biomärkte. Rund 5.900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten für die führende Unternehmensgruppe des Biohandels, die inzwischen auch einen eigenen landwirtschaftlichen Betrieb in einem Umfang von 4.000 ha betreibt.

Dennree erhöht nochmals Preisdruck bei Biokartoffeln

Laut einer Folgemeldung (18.04.) des AbL sind die Knollen aus Ägypten jetzt noch billiger.

Die größte deutsche Bio-Einzelhandelskette Dennree hat den Verkaufspreis für Frühkartoffeln aus dem Wüstenstaat Ägypten nochmals um 13 Cent je Kilo gesenkt und damit den Preisabstand zu heimischer Ware auf 28 Prozent vergrößert. Schon in der Vorwoche wies die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) auf die ihrer Ansicht nach zu niedrigen Preise für die Importware hin. Dass Dennree trotzdem die Preise für Frühkartoffeln aus Ägypten erneut reduziert und nun sogar als Angebotsware verkauft, kritisiert die AbL scharf:

„Das ist Preispolitik auf Kosten der heimischen Bio-Kartoffelbauern und auch der ägyptischen Kollegen. Offensichtlich will der Marktführer Dennree seiner Verantwortung für faire Einkommen auch der Bauern nicht nachkommen“, kommentiert Phillip Brändle aus dem AbL-Vorstand. Weiter erklärt er: „Wie solche Preise für alle in der Wertschöpfungskette gut funktionieren sollen hat Dennree in seinen bisherigen Stellungnahmen nicht erläutert. Mein Anspruch als Biobauer, den ich an die gesamte Biobewegung stelle, ist eindeutig ein anderer.“

Bereits in der letzten Woche monierte die AbL, dass Dennree in seinen Berliner Filialen ägyptische Frühkartoffeln für 1,79 Euro je Kilo anbot (jetzt 1,66 €/kg) und damit erheblich billiger als regionale Ware der Ernte 2018 (2,29 Euro/kg). Daraufhin hat Dennree öffentlich erklärt, dass das heimische Kartoffelangebot für sie „oberste Priorität“ besitze. Für die AbL sendet die Handelskette in der Realität jedoch ein gegenteiliges Signal: „Die Handelskette signalisiert den Biokunden, dass es billiger sei, Biokartoffeln im Wüstenstaat Ägypten anzubauen und von dort rund 2900 Kilometer weit nach Deutschland zu transportieren als die Kartoffeln von regionalen Erzeugern aus dem Umland zu beziehen. Das ist ein fatales Signal sowohl an die örtlichen Bäuerinnen und Bauern als auch an Dennrees eigene Kunden. Nachhaltigkeit in wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Hinsicht sieht anders aus“, so Brändle.